Foto. Mittagessen im Notaufnahmelager Marienfelde, 13. Juli 1961.
© Landesarchiv Berlin

Fr, 02.11.2007 - 11:00 Uhr
Zeitgeschichte interkulturell: Historisch-politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft

Wir laden Sie herzlich zum 4. Berlin-Brandenburgischen Forum für zeitgeschichtliche Bildung am 2. November 2007 in die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde ein. Das Forum wendet sich in diesem Jahr einem hochaktuellen Thema zu: Auf zwei Plenumsveranstaltungen und vier Themenforen diskutieren wir die Chancen und Herausforderungen von „Zeitgeschichte interkulturell – Historisch-politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft“.

Welche Bedeutung hat die Auseinandersetzung mit deutscher Zeitgeschichte für Jugendliche anderer Herkunft? Kann sie zu einem gemeinsamen Wissens- und Wertekanon in unserer Gesellschaft beitragen? Diese Fragen werden angesichts steigender Anteile von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund sowohl für die Schulen wie auch für die Gedenkstätten immer wichtiger. Auf dem Bildungsforum stellen Lehrer/innen und Gedenkstättenmitarbeiter/innen dazu Projekte vor und diskutieren mit Expert/inn/en aus Wissenschaft und Politik.

Das Bildungsforum wird von der 1995 gegründeten Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten in Berlin und Brandenburg veranstaltet. Sie hat zwei Arbeitskreise (AK), den AK I mit Bezug auf die NS-Zeit und den AK II mit Bezug auf die Zeit der SBZ/DDR. Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist die Vernetzung der Gedenkstättenarbeit. Dies geschieht durch Informationsaustausch über laufende und geplante Projekte, gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationsveranstaltungen, durch Planung, Koordinierung und Zusammenarbeit bei Gedenktagen sowie Diskussion und Mitwirkung bei der Entwicklung von Gedenkprojekten wie z.B. dem „Gesamtkonzept Berliner Mauer“. Beteiligt sind neben den Gedenkstätten und zuständigen Verwaltungen weitere Vereine, die sich mit dem Gedenken, Erinnern und der Aufarbeitung der Vergangenheit befassen und mit eigenen Beiträgen an die Öffentlichkeit treten. Angesichts der besonderen Situation in der Region Berlin-Brandenburg spielt die Zusammenarbeit mit Institutionen auf Bundesebene eine besondere Rolle.

Für Fragen steht Ihnen gern Rita Gösel, Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, unter der Rufnummer 030 - 75 00 84 00 oder der E-Mail-Adresse info@notaufnahmelager-berlin.de zur Verfügung.

PROGRAMM

10.00 – 12.00 Uhr
EINFÜHRUNG UND ERÖFFNUNGSDISKUSSION
Begrüßung:

Prof. Dr. GÜNTER MORSCH und MARTIN GUTZEIT, Vorsitzende der Arbeitskreise I und II der Arbeitsgemeinschaft der Berlin-Brandenburgischen Gedenkstätten
Einführung: „Herkunft als Vor(aus)urteil?“
ELENA DEMKE, Bildungsreferentin beim Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Dr. CHRISTOPH KREUTZMÜLLER, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin
Statements und Diskussion: „Was soll und was kann interkulturelle Bildung leisten?“
Prof. Dr. BETTINA ALAVI, Professorin für Geschichte und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg
RAINER OHLIGER, Vorstandsmitglied Netzwerk Migration in Europa e.V.GÜNTER PIENING, Berliner Landesbeauftragter für Integration und Migration
Moderation: Dr. HELGE HEIDEMEYER, Vorsitzender des Vereins Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde

12.00 – 14.00 Uhr
MITTAGSPAUSE MIT INFORMATIONSANGEBOTEN

Mittagessen und „Markt der Möglichkeiten“ (Informationsstände der Einrichtungen)
12.15 Uhr, 12.45 Uhr, 13.15 Uhr: Führungen durch die ständige Ausstellung der Erinnerungsstätte

14.00 – 17.00 Uhr
FOREN MIT PROJEKTVORSTELLUNGEN


Forum 1:
Projekt „Meine Geschichte – Deine Geschichte. Familienbiografisches Arbeiten als ‚appetizer‘ für die Beschäftigung mit deutscher Zeitgeschichte“ der Hansa-Grundschule (Moabit); Partner: Haus der Wannsee-Konferenz, Gedenkstätte Berliner Mauer.
Projekt „Flucht und Migrationserfahrungen Deutscher Ost in Deutschland West 1949 – 1989“ der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Kinder zwischen 10 und 15 Jahren vollziehen anhand von Biografien Fremdheits- und Integrationserfahrungen nach.
Co-Referat (angefragt): Lehrer der Kiepert-Grundschule berichten von Erfahrungen bei der Integration von Aussiedler-Kindern in den Unterricht während der Zeit ihres Aufenthalts im Aufnahmeheim in Marienfelde.
Moderation: BETTINA EFFNER, Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde

Forum 2:
Projekt „Mit der Druckerpresse auf der Spur von Sinti- und Roma-Häftlingen im Konzentrationslager Ravensbrück“ der Ernst-Litfaß-Schule/Oberstufenzentrum Druck- und Medientechnik (Wittenau); Partner: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, QuaBS. e.V. (Qualifizierungs-vereinigung Berliner Sozialpädagog/inn/en), respectABel (Berliner Förderprogramm für Demokratie und Toleranz), Bundeszentrale für politische Bildung.
Internationales Seminar „Kunst als Zeugnis“ im Rahmen eines VJF (Vereinigung Junger Freiwilliger)-Workcamps in der Gedenkstätte Sachsenhausen; Partner: Berliner Arbeitskreis Konfrontation. Junge Erwachsene aus 11 Ländern setzten sich mit ihren „mitgebrachten“ Geschichtsbildern auseinander.
Unterrichtseinheit zum Nationalsozialismus mit Klassenfahrt an der Moses-Mendelssohn-Gesamtschule (Moabit); Partner: Haus der Wannsee-Konferenz, Gedenkstätte Dachau. Schüler/innen einer 10. Klasse thematisierten ihr eigenes, vorgeprägtes Verhältnis zu (deutscher) Geschichte und beschäftigten sich an authentischen Orten mit der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik.
Moderation: Dr. MATTHIAS HEYL, Päd. Leiter der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück und Leiter der Päd. Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Forum 3:
Projekt „Stolpersteine“ der Thomas-Mann-Oberschule in Reinickendorf zur fünften Prüfungskomponente (angefragt); Partner: Landesarchiv Berlin. Abiturienten untersuchten die Lebenswege deportierter Juden aus Reinickendorf mit dem Ziel, namentlich beschriftete Messingsteine vor den vormaligen Wohnhäusern der NS-Opfer zu verlegen.
Projektwoche und Arbeitsgemeinschaft „Spurensuche“ des Leibniz-Gymnasiums in Kreuzberg (angefragt); Partner: Landesarchiv Berlin, Kreuzberg-Museum. Oberstufenschüler/innen rekonstruierten die Lebensschicksale von jüdischen Schüler/innen ihrer Schule während der NS-Zeit und präsentierten ihre Ergebnisse in einer Ausstellung.
Co-Referat von SIEGFRIED REIPRICH, Referent für politische Bildung an der Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen: Gedenkstättenführungen mit multikulturell zusammengesetzten Gruppen.
Moderation: Dr. NORBERT KAMPE, Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Forum 4:
Studientage „Exil und Emigration im Nationalsozialismus“ für Teilnehmer/innen von Deutsch als Fremdsprache-Kursen der Berliner Volkshochschulen im Haus der Wannsee-Konferenz.
Pilotprojekt „Stadtteilmütter in Neukölln“ des Bezirks Neukölln und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Träger: Diakonisches Werk Neukölln-Oberspree e.V. Die „Stadtteilmütter“ nahmen an einem selbstinitiierten Seminar zur Geschichte des Nationalsozialismus teil und besuchten historische Orte; Partner: Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.
Seminare für ausländische Studierende am Institut für Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Studierenden interpretieren literarische Texte zum Umbruch von 1989/90 unter Einbezug eigener gesellschaftlicher und kultureller Vorprägungen.
Moderation: Dr. GABRIELE CAMPHAUSEN, Fachbereichsleiterin Politische Bildung bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der eh. DDR

Als Expertinnen und Experten begleiten die Foren:
Dr. phil. OLIVER DECKER, Dipl.-Psychologe, Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig
Dr. ASTRID MESSERSCHMIDT, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik, Arbeitsbereich Allgemeine Pädagogik und Erwachsenenbildung, an der Technischen Universität Darmstadt
Dr. SABINE MOLLER, Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Geschichtsdidaktik an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
MICHAEL SCHWANDT, RAA Brandenburg (Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule)

17.00 – 17.30 Uhr
Kaffeepause


17.30 – 19.00 Uhr
ABSCHLUSSPLENUM

Statements und Diskussion: „Gedenken und Erinnern zwischen Multi-Kulti und deutscher Leitkultur“
SANEM KLEFF, Lehrerin und Autorin
KENAN KOLAT, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland
Prof. Dr. GÜNTER MORSCH, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
HANS-JÜRGEN POKALL, Landesschulrat Berlin
Prof. Dr. JOHANNA WANKA, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
Moderation: ALFRED EICHHORN, Inforadio (rbb)

Zusatzangebot: 20.00 Uhr
„GESICHTER DES KRIEGES“

Theaterstück des Dokumentartheaters in den Unterwelten, Berliner Unterwelten-Museum im Bunker, U-Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin-Mitte. Eine Produktion der aus der Ukraine stammenden Tänzerin und vielfach ausgezeichneten Theatermacherin Marina Schubarth, die mit Jugendlichen und Schauspielern aus verschiedenen Nationen Themen der Zeitgeschichte bearbeitet und in dem ehemaligen Bunker an wechselnden Schauplätzen zeigt. Die Aufführung an diesem Abend ist für Teilnehmer des Forums reserviert, wegen der beschränkten Platzzahl ist eine Reservierung bei der Anmeldung unverzichtbar. Der Eintritt beträgt 12 €, ermäßigt 9 €.

Kooperationspartner des Bildungsforums sind die Bundeszentrale für Politische Bildung und Inforadio (rbb).