Foto. Mittagessen im Notaufnahmelager Marienfelde, 13. Juli 1961.
© Landesarchiv Berlin

Do, 28.11.2013 - 19:00 Uhr
"Ich war nie einer von euch!" Der Künstler Rainer Bonar zwischen Ost und West.

Portrait Rainer Bonar
ERÖFFNUNG DER SONDERAUSSTELLUNG

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde würdigt RAINER BONAR mit ihrer Ausstellung als einen Künstler, dessen Leben und Werk um politische Selbstbestimmung und die Möglichkeiten künstlerischer Freiheit kreisten. Sie stellt den unbekannten Nachlass dieses vielseitigen Künstlers erstmals mit einer repräsentativen Werkauswahl der Öffentlichkeit vor.

RAINER BONAR rieb sich schon früh an den offiziellen Kunstdoktrinen der DDR, wie sein in der Ausstellung gezeigtes „Sozialistisches Stillleben“ (1978) mit Hammer, blutiger Sichel und toter Friedenstaube offenbart. Die Künstler- und Dissidentenszene des Prenzlauer Bergs, in der er sich bewegte, hielt er in dokumentarischen bis privaten Milieufotografien fest. Mit dem Ikarus-Mythos griff BONAR auch in seiner West-Berliner Zeit ein zentrales Motiv der Kunst im geteilten Deutschland auf. Den Mythos interpretierte er radikal als „Sinnbild des Abhauens, Aussteigens, der Loslösung und Überwindung der Bodenständigkeit, des Aufstrebens zur höheren Erkenntnis – Rücksturz auf den Boden der Tatsachen inbegriffen: mit tödlichem Ausgang“, wie er selbst formulierte. Stilistisch finden sich Anklänge an die archaische Symbolwelt A.R. Pencks. Dass BONAR sich intensiv mit Architektur und politischer Topografie Berlins auseinandersetzte, zeigen u.a. Blätter eines Grafikkalenders, die dekonstruierte Berlin-Ansichten wie den Alexanderplatz bieten. Auch seine übermalten Berliner Stadtpläne stehen für diesen Komplex.

An RAINER BONARS Biografie wird deutlich, wie schwierig es für die einst unbequemen Künstler der DDR war, ihren Platz in der westlichen Kunstwelt zu behaupten.

Begrüßung Prof. Dr. Axel Klausmeier Direktor der Stiftung Berliner Mauer
Grußwort Wanda Schulte Leihgeberin und Tochter von Rainer Bonar
Einführung Bettina Effner und Katharina Hochmuth Kuratorinnen, Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde
Musik Ekkehard Maaß Publizist, Sänger und Kaukasusexperte

Laufzeit der Sonderausstellung: 28.11.2013 - 30.03.2014
Der Eintritt ist frei.

Foto:© Wanda Schulte