Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

19. November 2009

10.000ste Besucherin in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde begrüßt

Heute um 11:30 Uhr hat Bettina Effner, die Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, Stefanie Schulz aus Berlin-Tiergarten als 10.000ste Besucherin in der Gedenkstätte begrüßt. Damit erreicht die Erinnerungsstätte zum ersten Mal seit ihrem Bestehen 1993 diese Marke innerhalb eines Jahres. Neben einem Blumenstrauß übergab Bettina Effner der Besucherin das Buch zur Dauerausstellung „Flucht im geteilten Deutschland“.

Wie viele der Besucher der Gedenkstätte ist auch Stefanie Schulz als ehemaliger Flüchtling im Notaufnahmelager Marienfelde gewesen. Sie war am 20.9.1958 als 12-Jährige mit Mutter und Vater aus Chemnitz mit dem Zug geflohen. Sie erinnert sich noch gut an die Flucht, bei der Vater, Mutter und sie bei der letzten Etappe mit der S-Bahn aus Angst vor Entdeckung in getrennten Abteilen saßen. Der Vater, der Orchestervorstand in Chemnitz war, war von der Stasi angesprochen worden, doch er wollte nicht mitarbeiten. Dies war ein Grund für die Flucht wie auch die Tatsache, dass ihr Bruder als 18-Jähriger bereits 1953 alleine geflüchtet war.

Die Zahl der Einzelbesucher hat sich dieses Jahr auf 4769 Personen erhöht, was einen Anstieg um rund 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Auch bei den Gruppen kann die Erinnerungsstätte einen Anstieg von rund 12 Prozent verbuchen. Gerade Besuchergruppen von Bundestagsabgeordneten und Soldaten der Bundeswehr frequentieren die Gedenkstätte häufig. Sehr positive Resonanz findet zudem das bildungspolitische Programm, das sich an Schulklassen richtet. Neben Zeitzeugengesprächen bietet die Gedenkstätte speziell für sie Projektarbeit in den Ausstellungen an. Die Schüler erschließen sich zum Beispiel in wechselseitigen Führungen die Dauerausstellung. So wird für sie die Geschichte der DDR und der Bundesrepublik im direkten Austausch miteinander lebendig.

„Wir freuen uns sehr über den Erfolg unserer Gedenkstätte. Auch wenn wir auf Grund der Lage in Marienfelde etwas außerhalb der großen Touristenströme liegen, finden sehr viele Menschen zu uns und sind von der Dauerausstellung begeistert. Mit unserer Sonderausstellung ‚Mit der S-Bahn in den Westen‘ konnten wir dieses Jahr auch ein neues Zielpublikum gewinnen, das die Schau zum Anlass genommen hat, sich die gesamte Gedenkstätte anzusehen“, erläutert Bettina Effner, die Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde.

„Flucht im geteilten Deutschland“ heißt die Dauerausstellung mit 900 Exponaten auf mehr als 450 Quadratmetern. Außerdem ist die Sonderausstellung „Mit der S-Bahn in den Westen“, die sich mit der historischen Bedeutung der Berliner S-Bahn im Kontext von Flucht, Ausreise und Besuchsreisen in der geteilten Stadt beschäftigt, bis zum 31. Januar 2010 zu sehen. Die Gedenkstätte ist Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Öffentliche Führungen finden mittwochs und sonntags jeweils um 15.00 Uhr statt.

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