Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

07. November 2009

Die Erinnerung an die Mauertoten wird Teil des Berliner Mauerwegs

Auf Initiative des Fördervereins der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde stellt die Stiftung Berliner Mauer in einem mehrjährigen Programm an der ehemaligen Grenze, dem jetzigen Berliner Mauerweg, Informationsstelen auf. Sie erinnern an die mindestens 136 Mauertoten, die von 1961 bis 1989 an der Berliner Mauer erschossen wurden oder im Zusammenhang mit einem Fluchtversuch verunglückt sind. Die Stelen werden im Rahmen des Gesamtkonzeptes Berliner Mauer vom Regierenden Bürgermeister Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung finanziert. Heute um 11:00 Uhr übergibt Walter Momper, der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, die ersten Stelen in Anwesenheit von Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Harald Fiss, Ehrenvorsitzender des Fördervereins Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde und Frank Henkel, Landes- und Fraktionsvorsitzender der CDU Berlin, der Öffentlichkeit.

Die ersten Stelen ehren drei Todesopfer der Berliner Mauer und ein Unfallopfer von 1990: Horst Kullack aus Großziethen, angeschossen am 31.12.1971 im Grenzstreifen zwischen Großziethen und Lichtenrade, nördlich der Lichtenrader Chaussee, verstorben drei Wochen später im Krankenhaus Königs Wusterhausen; Herbert Kiebler aus Mahlow, erschossen am 27.06.1975 im Grenzstreifen zwischen Mahlow und Lichtenrade, ca. 200 m westlich der B 96.; Eduard Wroblewski, erschossen am 26.07.1966 im Grenzstreifen zwischen Mahlow und Lichtenrade, neben der S-Bahn-Trasse in Nähe der Paplitzer Straße (Eduard Wroblewski wohnte in Zahna, nahe Lutherstadt Wittenberg), und Christoph-Manuel Bramböck aus Berlin-Lichterfelde, einen 14-jährigen Schüler, der am 31.08.1990 beim „Mauerpicken“ im Grenzstreifen zwischen Großbeeren und Lichtenrade/Marienfelde, Höhe Schichauweg tödlich verunglückte.

Harald Fiss, Ehrenvorsitzender des Fördervereins Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, ist der Initiator der Aktion. Er entdeckte im Frühjahr 2009, dass das für Horst Kullack aufgestellte Gedenkkreuz umgefallen war, und setzte sich beim Bezirk dafür ein, dass es wieder aufgerichtet wurde. Unter anderem seinem Engagement ist es zu verdanken, dass nun die Mauertoten am Ort ihres Todes mit Stelen geehrt werden.

„Die Mauer, an der von östlicher Seite auf alle geschossen wurde, die die DDR und Ost-Berlin verlassen wollten, wurde zum Symbol einer menschenverachtenden Politik. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist eine DDR-Nostalgie, die heute immer noch sichtbar wird, wenig verständlich. Den Opfern von Mauer und Schießbefehl sind wir es schuldig, sie nicht zu vergessen. Deshalb ist es gut, dass am Berliner Mauerweg Informationsstelen an jedes einzelne Schicksal mahnend erinnern“, erklärt Walter Momper, Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses.

Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, sieht eine Hauptaufgabe der Stiftung darin, das Gedenken an die Opfer der DDR wachzuhalten: „Die Toten an der Berliner Mauer zeigen das wahre Gesicht des DDR-Unrechts. Ein würdiges Gedenken an sie zu ermöglichen, ist eine der wichtigsten Aufgaben der neu gegründeten Stiftung Berliner Mauer. Die Stelen geben unserer Erinnerung Namen und erzählen zugleich von der ganzen Unmenschlichkeit des Grenzsystems, ohne das die DDR-Diktatur nicht existieren konnte.“

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