Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

19. März 2009

Bisher unveröffentlichtes Videomaterial zur DDR-Massenflucht 1989 über Ungarn erschienen

Die DVD „Über Ungarn abgehaun. DDR-Massenflucht 1989 in Zeitzeugenberichten“ ist in Kooperation der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde mit dem Erhard Friedrich Verlag entstanden und richtet sich vor allem an Schulen und Lehrer. Dokumentiert wird ein wichtiges Stück Zeitgeschichte mit bisher unveröffentlichtem Videomaterial von fünf Zeitzeugen. Sie erinnern sich, wie ihnen auf ganz unterschiedliche Weise die Flucht gelang, erzählen, was ihre Fluchtmotive waren und welche Chancen und Probleme sich bei ihrem Neuanfang in der Bundesrepublik ergaben. Neben Videos enthält die DVD Hintergrundinformationen zur Flucht über Ungarn, Grafiken, Kurzbiografien der Zeitzeugen und Arbeitsblätter für den Unterricht.

Hunderte DDR-Bürger fliehen beim „Paneuropäischen Picknick“ von Ungarn nach Österreich. Verwaiste Trabbis säumen die Straßen, DDR-Flüchtlinge warten in der bundesdeutschen Botschaft in Budapest auf ihre Ausreise – Diese Bilder bewegten im Sommer 1989 die Weltöffentlichkeit. Die Massenflucht von DDR-Bürgern war ein wichtiger Katalysator der landesweiten Proteste in der DDR im Herbst 1989 und trug damit zur Öffnung der Staatsgrenzen bei.

Auch Ulf Müller macht sich 1989 auf den Weg nach Ungarn. Mit einer Freundin tarnt er seine Reise als Hochzeitsfeierbesuch bei ungarischen Freunden. Die drohende Einberufung zur NVA ist für den gelernten Goldschmied der Anlass, der DDR den Rücken zu kehren. Dietmar Poguntke beschließt zu flüchten, nachdem seine Freundin von einem Verwandtschaftsbesuch in der Bundesrepublik nicht mehr in die DDR zurückgekehrt ist. Der ausgebildete Mechaniker ist schon lange mit dem Staat unzufrieden, der ihm den Zugang zur höheren Schule verweigert hat. Auch Regine Veitenhansl wird ihr Berufswunsch als Bandagistin nicht genehmigt. Ihr wird vorgeworfen, sich nicht ausreichend politisch zu engagieren. Gemeinsam mit ihrem Freund beschließt sie später, das Land zu verlassen. In der Nacht vom 19. Juli 1989 überqueren sie die ungarisch-österreichische Grenze.

„Die Zeitzeugen auf dieser DVD stehen mit ihren Schicksalen für Hunderte von DDR-Bürgern, die 1989 den gleichen Weg in den Westen wählten. Sie verdeutlichen ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Durch jeden einzelnen erhält die Massenflucht ein individuelles Gesicht. Uns ist es bei unserer politischen Bildungsarbeit wichtig, Schülern und Lehrern anschauliches Material an die Hand zu geben, um Geschichte nacherlebbar zu machen. Mit dieser DVD leisten wir einen Beitrag zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls“, begründet Bettina Effner, die Leiterin der Erinnerungsstätte, die Mitarbeit bei der DVD.

Die DVD erscheint im Erhard Friedrich Verlag und kann für 25,90 Euro bei der Erinnerungsstätte oder online über www.friedrichonline.de bestellt werden.

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