Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

27. November 2008

Die Zentrale Aufnahmestelle für Aussiedler des Landes Berlin war nie bloß ein Verwaltungsbetrieb

„Die Zentrale Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler 1964-2008: eine fotografische Spurensicherung“ heißt die neue Sonderausstellung der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, die heute Abend von Franz Allert, dem Präsidenten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, eröffnet wird. Die Gedenkstätte bleibt weiterhin bestehen, die Zentrale Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler (ZAB), das ehemalige Notaufnahmelager Marienfelde, wird allerdings 2009 geschlossen. Seit 1990 starteten 50.758 Aussiedler hier ihr neues Leben in Berlin. Die Fotografin Meike Gronau hat im Auftrag der Erinnerungsstätte Angestellte der ZAB porträtiert und ihre Arbeitsräume mit einem präzisen Blick für Details im Bild festgehalten.

„Die ZAB war nie bloß ein Verwaltungsbetrieb“, sagt Waltraud Ihmann, bis vor einigen Monaten Verwaltungsangestellte in der Aufnahmestelle und seit 2007 verantwortlich für die Erstaufnahme und Quartiervergabe. „An Marienfelde hat mich immer der direkte Kontakt zu den Menschen fasziniert, dass man immer wusste, für wen man etwas tat. Die Leute sind einem auf dem Weg ins Büro begegnet, sie kannten einen und haben gegrüßt: Die Resonanz war ganz anders als sonst in der Verwaltungsarbeit, das hat Marienfelde ausgemacht, das war etwas ganz besonderes.“

Zu den Mitarbeitern gehört auch Henryka May, die im Magazin arbeitet und den Aussiedlern ihre Erstausstattung überreicht. Kissen und Decken mit Bezügen gehören dazu, außerdem Hand- und Trockentücher, Kleiderbügel, Töpfe und Geschirr. Auch für den Wäschetausch ist sie zuständig. “Beim Waschen steht man zusammen, man kommt sich näher. Für die alten Menschen ist es oft schwer, von zuhause wegzugehen. Ich spreche mit ihnen, ich teile ihre Sorgen, ich tröste sie“, sagt die gebürtige Polin, die selbst einmal als Aussiedlerin im Notaufnahmelager Marienfelde ankam. Sie arbeitet schon seit 19 Jahren in der ZAB und kennt den Ort wie kaum jemand sonst. „Das ist mein Lager“, sagt sie und blickt ein bisschen wehmütig auf das baldige Ende hier.

„Ob die Erzieherin des früheren ZAB-eigenen Kinderhorts, die Pförtner am Eingang oder die Mitarbeiter der Evangelischen Flüchtlingsseelsorge, in den Fotografien von Meike Gronau stehen die Menschen im Zentrum, die jahrelang erste Ansprechpartner für die Aussiedler waren. Wir möchten das Leben, das sich hier jahrzehntelang abgespielt hat, noch einmal ins Blickfeld rücken und den Angestellten mit dieser Ausstellung ein kleines Denkmal setzen“, kommentiert Bettina Effner, Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, die Sonderausstellung.

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