Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

9. September 2008

Die DDR war kein Einwanderungsland

Heute berät das Abgeordnetenhaus über den neuen Gesetzentwurf zur Errichtung der Stiftung Berliner Mauer. Der Stiftungszweck wurde leicht umformuliert und die umstrittene Passage zu den Übersiedlungen in die DDR entfernt. So wurde durch die Bemühungen aller politischen Kräfte ein breiter Konsens erreicht. Die Präzisierung des Stiftungszwecks begrüßt die Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, Bettina Effner, ausdrücklich.

„Der von vielen Parteien monierte strittige Passus im Stiftungsgesetz würde, wenn er nicht gestrichen würde, ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit im geteilten Deutschland bieten. Rund 4 Millionen Flüchtlinge aus der DDR können nicht gleichgesetzt werden mit rund 600.000 Übersiedlern in die DDR.

Die Flüchtlinge kamen in die Bundesrepublik, weil Sie die Repressionen der SED nicht weiter ertragen wollten, die ihnen die Lebensperspektive nahmen. Es waren politische Flüchtlinge. Bei den Übersiedlern in die DDR kann man zum großen Teil nicht von einer politischen Motivation sprechen. Hier waren es häufig private Gründe, wie z. B. bei Fällen von Rückkehrern, die Sehnsucht nach der Familie hatten, die sie in der DDR zurückgelassen hatten. Wir zeigen in unserer Ausstellung in einem kleinen Kapitel auch den Fall einer Frau, die sich in einen DDR-Bürger verliebt hatte und in die DDR zog, um ihn zu heiraten. Politisch motivierte Übersiedlungen, wie die des Schriftstellers Peter Hacks oder des Schauspielers Wolfgang Kieling, die aus Überzeugung die DDR wählten, waren eher selten. Kieling genoss dort allerdings auch Privilegien und durfte zwischen Ost und West hin- und herreisen.

Diese Fälle werden in unserer Ausstellung nur am Rande thematisiert, Im Zentrum standen und stehen immer die Flüchtlinge aus der DDR. Ihnen gilt unser Mitgefühl, ihre Geschichten wollen wir erlebbar machen, denn sie stehen für das Leid, das durch Grenzziehung und Mauerbau viele Menschen in Deutschland ertragen mussten“, erklärt Bettina Effner, die Leiterin der Erinnerungsstätte.

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