Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

7. August 2008

Pressemitteilung 7.8.08: Mauerbau ließ die Flüchtlingszahlen erheblich sinken

Mauerbau ließ die Flüchtlingszahlen erheblich sinken

Vor dem Mauerbau war die Zahl der DDR-Flüchtlinge stetig gestiegen. 1954 waren 184.198 Menschen in das Notaufnahmelager Marienfelde geflohen, 1960 waren es 199.188 Menschen und allein im Jahr 1961 reisten bis zum Mauerbau 133.574 DDR-Bürger nach Berlin aus. Im Jahr 1962 konnten nur noch 21.400 Menschen über Mauer und Stacheldraht entfliehen.

„Der Bau der Mauer am 13. August 1961 zerriss Familien und schottete auf skrupellose Weise die DDR-Bürger von der BRD ab. Er dämmte die Flüchtlingswelle merklich ein. Das brutale Sperrsystem machte seither jeden Versuch, die Grenzanlagen zu überwinden, zu einem tödlichen Risiko. Doch die Unzufriedenheit der DDR-Bürger konnte das SED-Regime damit nicht beseitigen. Der Strom der Flüchtlinge riss nicht ab, auch wenn er zeitweise auf 16.000 Menschen wie im Jahr 1968 oder 10.700 DDR-Bürger im Jahr 1980 sank“, kommentiert Dr. Helge Heidemeyer, Vorstand der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, die Flüchtlingsstatistik.

Mit dem Flüchtlingsstrom in das Notaufnahmelager Marienfelde setzt sich auch die Radioreportage von Doris Liebermann „Im Vorzimmer des Westens“ intensiv auseinander, die am 13. August 2008 um 19.04 im RBB Kulturradio zu hören sein wird. Sie hat Mitarbeiter der Erinnerungsstätte ebenso interviewt wie viele Flüchtlinge, darunter auch die Schriftstellerin Julia Franck und den Künstler Hans-Hendrik Grimmling, der 1986 nach West-Berlin ausreiste.

„Flucht im geteilten Deutschland“ heißt die Dauerausstellung, die in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zu sehen ist und an die Ursachen, den Verlauf und die Folgen der deutsch-deutschen Fluchtgeschichte erinnert. Die Ausstellung mit ihren rund 900 Exponaten auf mehr als 450 Quadratmetern ist von Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Pressemitteilung als pdf [PDF, 100,00 KB]

Pressekontakt
Judith Bilger
Tel.: +49 (0)30 - 75 00 84 00
E-Mail an J. Bilger