Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

12. März 2008

12. März 2008

Erinnerungsstätte Marienfelde inventarisiert rund 39.000 Objekte

Nach zweijähriger Arbeit ist die Inventarisierung des Sammlungsbestandes der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde abgeschlossen. Rund 39.000 Objekte haben die Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte archiviert und in einer Datenbank zusammengefasst.

Wer sich im Depot der Erinnerungsstätte umsieht, entdeckt zum Beispiel Kartons voller Stempel neben Fotoschränken und Textilien, viele Ordner mit Dokumenten und stapelweise Hinweisschilder. Die Vielseitigkeit des Sammlungsbestandes war eine besondere Herausforderung für die beiden Dokumentarinnen, die die Objekte nicht allein beschreiben, beschriften und fotografieren, sondern auch fachgerecht einlagern mussten. „Wir sind sehr stolz auf unsere Sammlung. Die Da-tenbank umfasst bereits rund 4.600 Einträge und erlaubt eine gezielte Suche nach Objekten. Unser Ziel ist es, den Sammlungsbestand in Zukunft im Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“, so Bettina Effner, Leiterin der Gedenkstätte.

Die Sammlung der Erinnerungsstätte Marienfelde spiegelt die gesamte Bandbreite des Fluchtgeschehens wider, vom Grenzübertritt bis zum Neuanfang in der Bundesrepublik oder West-Berlin. So zeugt ein unscheinbarer schwarz-grün melierter Mantel von den bangen Momenten zwischen Angst und Hoffnung, die eine Frau durchlitt, als sie unter diesem Mantel im Wald versteckt auf ihren Fluchthelfer wartete. Andere Stücke der Sammlung repräsentieren das Wenige, was die Flüchtlinge retten konnten: die Lieblingspuppe etwa, die die Großmutter der Enkelin nachschickte; oder das Poesiealbum, das eine Krankenschwester im Vorfeld ihrer Flucht 1961 nach West-Berlin schmuggelte.

Weil die Meisten nahezu ihr gesamtes Hab und Gut in der DDR zurücklassen mussten, waren sie im Westen auf Unterstützung und Versorgung angewiesen. Der Fotobestand der Evangelischen Flüchtlingsseelsorge, den die Erinnerungsstätte übernehmen konnte, dokumentiert die vielfältigen Hilfsleistungen. Sie reichten von Kleidung und Lebensmitteln bis zur Ausrichtung von Weihnachtsfeiern und Freizeitangeboten für die Kinder. Auch die zahlreichen Hinweisschilder aus dem ehemaligen Notaufnahmelager und rund 2.400 überkommene Stempel der dort tätigen Behörden stehen für das Bemühen um Integration: Alle Ankommenden durch das 12-stufige Aufnahmeverfahren zu schleusen, war kompliziert. Für erfolgreich absolvierte Stationen erhielten die ehemaligen DDR-Bürger einen Stempel auf ihrem „Laufzettel“. „Flug eingeleitet“ bedeutete, dass man in eines der Bundesländer ausgeflogen wurde und damit dem ersehnten neuen Leben im Westen einen wesentlichen Schritt näher gekommen war.

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