Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

14. Juni 2007

Neue Interviews mit Akteuren des 17. Juni 1953

Für ihr aktuelles Projekt interviewen Mitarbeiter der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde Beteiligte des Volksaufstands vom Juni 1953, die aus der DDR in den Westen fliehen mussten. Die Interviews erweitern das bereits fast 100 Ton- und Videoberichte von Zeitzeugen umfassende Archiv der Erinnerungsstätte. Bis Ende des Jahres wird dieser einzigartige Bestand in einer Datenbank erfasst. Die gesammelten Erinnerungen werden der Forschung wie der Projektarbeit mit Schülern zugänglich gemacht.

„Der 18. Juni 1953 war für mich ein Schicksalstag“, berichtet der heute 73-jährige Günther Dilling. „Frühmorgens um 9.00 Uhr wurde ich verhaftet, weil ich mich am Tag zuvor als gewählter Streikführer an den Protesten gegen die DDR-Führung beteiligt hatte. Ich wurde zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Als ich im Mai 1954 freigelassen wurde, um für die Staatssicherheit zu spitzeln, entschied ich mich für die Flucht nach West-Berlin.“ Günter Dilling gehört zu den ehemaligen Flüchtlingen aus der DDR, die sich der Erinnerungsstätte als Zeitzeugen zur Verfügung stellen. Wie er sahen sich 1953 noch viele andere zur Flucht getrieben: Lehrern etwa wurde in der Folge des 17. Juni häufig ein Bekenntnis zur Regierung abverlangt. Viele konnten dies mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren und sahen für sich in der DDR keine Perspektive mehr.

Bereits im Vorfeld des 17. Juni 1953 hatte die Fluchtbewegung aus der DDR ihren Höhepunkt erreicht. Die Flüchtlingszahlen schnellten von ca. 31.600 Menschen im Februar 1953 auf rund 58.600 im März in die Höhe. Für viele der Geflüchteten war das Notaufnahmelager Marienfelde, das im April 1953 eröffnet wurde, die erste Station im Westen.

“Es ist eines unserer wichtigsten Anliegen, die Erlebnisse und Erinnerungen der Flüchtlinge zu bewahren“, erläutert Bettina Effner, die Leiterin der Erinnerungsstätte. „Die Zeitzeugen können jungen Menschen den Unrechtscharakter des SED-Regimes – gegen das die Menschen am 17. Juni 1953 aufstanden – eindringlich vor Augen führen.“

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