Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

18. Dezember 2006

Neues Projekt der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde bewilligt: Wertvoller Aktenbestand zu DDR Flüchtlingen im Fokus der Aufarbeitung 2007

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde wird 2007 den einzigartigen Aktenbestand zum Schicksal von DDR-Flüchtlingen in Berlin aufarbeiten. Die mehr als 4.000 Ordner, die die Erinnerungsstätte vom Landesamt für Gesundheit und Soziales übernimmt, dokumentieren das von der deutschen Teilung verursachte menschliche Leid der Flüchtlinge und die Herausforderungen für die Stadt Berlin. Die Mittel für das neue Projekt hat jetzt die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zugesagt.

„Wir sind das Museum in Deutschland zur Geschichte der deutsch-deutschen Fluchtbewe-gung. Deshalb ist dieser beeindruckende Aktenbestand bei uns in den richtigen Händen“, er-läutert Bettina Effner, die Leiterin der Erinnerungsstätte. „Das Ergebnis unserer Arbeit werden wir in einer Broschüre der Öffentlichkeit präsentieren. Wir versprechen uns Aufschluss über die Unterbringung der Flüchtlinge in der Stadt und über den genauen Ablauf des Aufnahmeverfahrens. So hoffen wir, große Wissenslücken auf diesem Feld schließen zu kön-nen. Interessant sind gerade auch die Fälle von jugendlichen Flüchtlingen, die ohne ihre El-tern gen Westen aufgebrochen waren und besonders betreut werden mussten.“ Die Mehrzahl der Akten stammt aus den Jahren zwischen 1953 und 1961, als die Masse der DDR-Flüchtlinge zuwanderte.

Die Situation der nach West-Berlin Geflüchteten kurz vor dem Mauerbau beleuchtet außerdem eine Schau mit Bildern des weltberühmten Magnum-Fotografen René Burri. Seit 1956 für die legendäre Pariser Fotoagentur Magnum aktiv, bereiste Burri im Sommer 1961 Berlin. Damals meldeten sich im Westteil der gespaltenen Stadt an manchen Tagen mehr als 2.000 Menschen, die der befürchteten Abriegelung zu entkommen versuchten. Burris ausdrucksstarke Bilder zeigen die Flüchtlinge im Aufnahmelager Marienfelde zwischen Bangen und Hoffen, wartend vor den Aufnahmestellen oder erschöpft in ihren Quartieren. Die Fotografien werden vom 14. April bis 19. August 2007 erstmals in einer Ausstellung zu sehen sein.

Mit der Aktenerschließung und der Foto-Ausstellung erweitert die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde das Themenspektrum ihrer Dauerausstellung zur „Flucht im geteilten Deutschland“. Anhand von über 900 Exponaten und vielen multimedialen Zeitzeugenbe-richten ist hier die Geschichte der deutsch-deutschen Fluchtbewegung von 1949 bis 1990 ausführlich dokumentiert. Für Schülerinnen und Schüler stehen didaktische Arbeitsmaterialien zur Verfügung, die ihnen einen anschaulichen Zugang zu diesen Lebensgeschichten ermöglichen.

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Pressekontakt:
Bettina Effner
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