Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

23. Mai 2006

Pressemitteilung: Stellungnahme der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zum aktuellen Vorschlag der Sabrow-Kommission

Die Expertenkommission unter dem Historiker Prof. Dr. Martin Sabrow hat ihren Bericht zur Schaffung eines Geschichtsverbunds „Aufarbeitung der SED-Diktatur“ vorgelegt. Sie formuliert darin Leitsätze, welche Rolle beteiligte Einrichtungen künftig spielen und welche Themen sie besetzen sollen. Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde begrüßt es, dass diese Leitsätze auf eine stärkere Vernetzung zielen.

Dazu erklärt Harald Fiss, der Vorsitzende des Trägervereins: „Wir freuen uns, dass die Kommission die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde als Gedenkstätte von gesamtstaatlicher Bedeutung würdigt. Mit großem persönlichen Engagement und geringem finanziellen Aufwand haben wir ein modernes Museum aufgebaut. Mit unserer Ausstellung und Zeitzeugen-Veranstaltungen tragen wir dazu bei, unseren Besuchern aus Ost und West das Thema deutsche Teilung nahe zu bringen – aber auch ihre gemeinsame Geschichte. Deshalb begrüßen wir den Vorschlag, dass die Erinnerungsstätte mit dem Dokumentationszentrum Berliner Mauer in einer gemeinsamen Stiftung den Kern für den Themenbereich „Teilung und Grenze“ bilden soll. Schon jetzt kooperieren wir eng mit dem Dokumentationszentrum. Gleichzeitig muss der historische Ort Marienfelde lebendig und attraktiv bleiben. Dazu gehören immer wieder neue Anregungen, wie wir sie etwa mit unserer gerade beginnenden großen Sonderausstellungsreihe bieten.“

Die neue Leiterin der Ausstellung, Bettina Effner, hebt hervor, dass gerade Marienfelde einen wichtigen Beitrag zur historisch-politischen Bildung von Jugendlichen leistet: „Schülerinnen und Schüler haben heute keine eigene Erinnerung mehr an die DDR. Im Unterricht kommt dieses Kapitel deutscher Zeitgeschichte oft zu kurz – oder der Zugang ist einseitig, wie eine Lehrplan-Expertise der Stiftung Aufarbeitung von 2004 nahe legt. Deutsche Nachkriegsgeschichte wird nicht als gemeinsame Geschichte begriffen, das Span-nungsverhältnis von Diktatur und Demokratie bleibt unterbelichtet. Genau darüber erfahren die Schulklassen etwas, die aus ganz Deutschland regelmäßig nach Marienfelde kommen. Sie können sich hier anschaulich über Motive und Lebenswege von Flüchtlingen aus der DDR informieren. Dabei gewinnen sie Einsicht in die Geschichte der DDR und der Bundesrepublik.“

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