Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

6. Juni 2006

Pressemitteilung: Stellungnahme der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde - Marienfelde ist wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur

Die Expertenkommission unter dem Historiker Prof. Dr. Martin Sabrow hat mit ihrem Bericht zur Schaffung eines Geschichtsverbunds „Aufarbeitung der SED-Diktatur“ eine kontroverse Diskussion entfacht. Zur Stunde findet im Marie Elisabeth Lüders Haus ein Hearing zu dem Papier statt. Vertreter der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde äußerten sich zum Thema.

An der Diskussion nahmen neben rund 200 Vertretern des deutschen Kulturlebens für die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde Harald Fiss, der Vorsitzende des Trägervereins, und die Leiterin Bettina Effner teil. Harald Fiss betonte, dass er das Votum der Kommission für eine stärkere Vernetzung begrüße. „Zentral ist dabei für uns eine Zusammenarbeit, die den Einrichtungen ein eigenständiges Profil belässt. Genau so verstehen wir auch die Leitsätze der Kommission. Die Stärke von Marienfelde liegt in seiner Qualität als authentischer Ort. Wir wissen aber auch, dass ein Museum seine Attraktivität nur dann behält, wenn es immer wieder mit neuen aktuellen Ausstellungen das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zieht. Deshalb haben wir eine große Reihe mit Sonderausstellungen begonnen. Die Vorschläge der Sabrow-Kommission möchten wir im Sinne einer Stärkung solcher Initiativen umgesetzt sehen.“

Die Diskussion über das Experten-Papier verlief kontrovers. In Bezug auf die Zukunft der Birthler-Behörde und die Zuordnung der Gedenkstätten Hohenschönhausen und Normannenstraße konnte keine endgültige Einigung erzielt werden. Diskutiert wurde auch die Fokussierung der Aufarbeitung auf drei zentrale Themenbereiche. Unumstritten war der Bereich „Teilung und Grenze“. In ihm soll die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde in einer gemeinsamen Stiftung mit dem Dokumentationszentrum Berliner Mauer eine tragende Rolle spielen. Prof. Dr. Richard Schröder stellt die Bedeutung der authentischen Orte heraus. Man müsse dort gedenken, wo es auch etwas zu sehen gebe.

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde wurde von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags 1998 als Gedenkstätte von gesamtstaatlicher Bedeutung gewürdigt. In der Dauerausstellung veranschaulichen über 900 Objekte und zahlreiche Zeitzeugen-Biografien die Geschichte der deutsch-deutschen Fluchtbewegung. Insbesondere jungen Menschen wird hier lebendig vermittelt, dass Mauer und Teilung als dunkles Kapitel des Kalten Krieges zur gemeinsamen Geschichte ganz Deutschlands gehören.

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