Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

22. August 2006

Pressemitteilung: Lange Nacht der Museen – neue Sonderausstellung in Marienfelde

Um Fluchterlebnisse dreht sich während der „Langen Nacht der Museen“ alles in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde. Im Zentrum steht die neue Sonderausstellung „Flucht über Ungarn – Paneuropäisches Picknick ‘89“. Für die Schau haben die Mitarbeiter der Erinnerungsstätte mit über 40 Zeitzeugen gesprochen. Die ehemaligen Flüchtlinge steuerten persönliche Erinnerungsstücke bei, die erstmals öffentlich zu sehen sind. In Videointerviews schildern 10 Beteiligte und Beobachter ihre bewegenden Erlebnisse.

1989 versuchten viele DDR-Bürger, über Ungarn nach Österreich und in die Bundesrepublik zu gelangen. Ein Höhepunkt der Fluchtbewegung war das „Paneuropäische Picknick“ vom 19. August. Über 600 Ostdeutsche nutzten eine dreistündige Grenzöffnung zum Durchbruch: die größte Massenflucht seit dem Mauerbau. Bundesaußenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher, Schirmherr der Erinnerungsstätte, begrüßt die ausführliche Dokumentation dieser dramatischen Ereignisse: „Der Herbst 1989 wird uns allen unvergesslich bleiben. Damals konnte verwirklicht werden, was eine langfristig angelegte Politik der Entspannung und Zusammenarbeit wollte: das Ende der Teilung Deutschlands und Europas. Das wurde möglich, weil die Menschen es wollten. Diejenigen, die über Ungarn und über Prag die DDR verließen, sie und die Demonstranten überall im sowjetischen Machtbereich brachten die Mauer vom Osten her zum Einsturz. Dazu gehörten aber auch Persönlichkeiten wie Michail Gorbatschow in Moskau und Gyula Horn in Budapest und wie die Organisatoren des Paneuropäischen Picknicks.“

Bei der „Langen Nacht der Museen“ erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm: Neben Filmvorführungen können sie am Picknick mit ungarisch-österreichischen Spezialitäten teilnehmen. Besonderes Highlight des Abends: Eine Lesung der Schriftstellerin Ines Geipel aus ihrem Roman „Heimspiel“, der von der Flucht einer jungen Frau über Ungarn erzählt. Außerdem finden regelmäßig Führungen durch die Sonderausstellung statt. Bettina Effner, die Leiterin der Erinnerungsstätte, wertet die Ausstellung als Beispiel für die lebendige Dokumentation von Geschichte: „Uns haben vor allem die Erfahrungen der Zeitzeugen beeindruckt, die sich nun in der Ausstellung wiederfinden. Ein Exponat hat mich persönlich besonders bewegt: die Postkarte einer damals 19-Jährigen, die ihre Eltern nach der gelungenen Flucht um Verzeihung bittet, weil sie unangekündigt weggegangen ist.“

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer deutsch-ungarischen Zusammenarbeit. Sie wurde von der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde gemeinsam mit der ungarischen Stiftung „Paneuropäisches Picknick ‘89“ realisiert und von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert. Die Ausstellung wird am 25. August 2006 von dem Mitglied des Bundestags Markus Meckel und dem Ungarischen Botschafter Dr. Sándor Peisch offiziell eröffnet. Sie wird bis zum 12. November 2006 zu sehen sein.

Pressekontakt:
Bettina Effner
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Telefax: +49 (0)30 - 75 44 66 34
E-mail: b.effner@notaufnahmelager-berlin.de