Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

24. August 2006

Pressemitteilung: Ein schwarzes Sakko wird zum geschichtsträchtigen Ausstellungsstück. Neue Sonderausstellung mit vielen Zeitzeugen-Exponaten in Marienfelde

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde startet morgen ihre neue Sonderausstellung „Flucht über Ungarn – Paneuropäisches Picknick ‘89“. Hochgestellte Persönlichkeiten aus der Politik haben ihr Kommen zugesagt. So eröffnen neben dem Mitglied des Deutschen Bundestags Markus Meckel auch Vertreter der Ungarischen und Österreichischen Botschaft in Deutschland die Ausstellung. Zahlreiche Exponate von Zeitzeugen sind zum ersten Mal öffentlich zu sehen.

Zehntausende DDR-Bürger versuchten 1989, von Ungarn aus Österreich und die Bundesrepublik zu erreichen. Über 600 Ostdeutsche nutzten eine kurzzeitige Grenzöffnung am 19. August 1989 anlässlich des „Paneuropäischen Picknicks“ zur Massenflucht. Markus Meckel, Mitglied des Deutschen Bundestags, zeigt sich beeindruckt von der lebendigen Darstellung dieser dramatischen Ereignisse in der neuen Ausstellung: „Flucht aus der DDR ist für die Aufarbeitung der SED-Diktatur ein wichtiges Thema. Die Geschichten der Zeitzeugen machen deutlich, was die Menschen damals empfunden haben – es lohnt sich, ihnen zuzuhören.“

Für die Ausstellung haben Mitarbeiter der Erinnerungsstätte mit mehr als 40 Zeitzeugen gesprochen. Sie steuerten persönliche Erinnerungsstücke bei. Dazu gehört z.B. ein schlichtes schwarzes Sakko, das in der Ausstellung zum Zeugnis einer Fluchtgeschichte wird: „Ich habe das Sakko eingepackt“, erzählt Ulf Müller, damals 25 Jahre alt, „weil ich einen Reisevorwand brauchte. Den DDR-Behörden gab ich an, in Ungarn auf die Hochzeit von Freunden zu wollen – um dann am 3. Oktober 1989 über Budapest mit Hilfe der bundesdeutschen Botschaft nach Österreich auszureisen." Zu den Erinnerungsstücken zählt auch die Postkarte einer damals 19-jährigen Frau, die nach gelungener Flucht ihre Eltern um Verzeihung für ihr heimliches Weggehen bittet. In Videointerviews schildern außerdem 10 Beteiligte und Beobachter ihre bewegenden Erlebnisse.

Dr. Sándor Peisch, Botschafter der Republik Ungarn in Deutschland, hebt hervor: „Im Jahre 1989 hat Ungarn einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Wiederherstellung der deutschen Einheit geleistet, wie der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl anerkennend feststellte: ‚Ungarn hat den ersten Stein aus der Mauer geschlagen‘.“

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer deutsch-ungarischen Zusammenarbeit. Sie wurde von der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde gemeinsam mit der ungarischen Stiftung „Paneuropäisches Picknick ‘89“ realisiert und von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert. Die Ausstellung wird bis zum 12. November 2006 zu sehen sein.

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Pressekontakt:
Bettina Effner, Leiterin der Erinnerungsstätte
Telefon: +49 (0)30 - 75 00 84 00
Telefax: +49 (0)30 - 75 44 66 34
E-mail: b.effner@notaufnahmelager-berlin.de