Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

Februar 2015

Arbeitsvertrag der DDR-Reichsbahn
(ENM-003310)


Arbeitsvertrag
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Dieses doppelseitige Formular in DIN A6-Größe ist ein gültiger Arbeitsvertrag aus dem Jahr 1958. Die staatliche Eisenbahn in der DDR, die aus rechtlichen Gründen weiter unter „Deutsche Reichsbahn“ firmierte, stellte damit neue Mitarbeiter ein. In diesem Fall erhielt die knapp 18jährige Helga Kirstein aus Leipzig eine sofortige Beschäftigung als Fahrkartenprüferin.

Bereits ihr Vater, Achilles Kirstein, war bei der Reichsbahn angestellt. Seine Tochter wuchs in Leipzig auf und absolvierte dort ab dem 14. Lebensjahr eine Ausbildung zur Fachverkäuferin, die sie zwei Jahre später erfolgreich abschließen konnte. Anschließend war sie in Leipzig bei einem Schuh- und Lederfachgeschäft tätig. Aufgrund der schwierigen Geschäftslage erhielt sie allerdings Anfang Februar 1958 ihre Kündigung zur Monatsmitte. Vermutlich durch ihren Vater konnte sie dann am 18. Februar bereits ihre Arbeit bei der Reichsbahn aufnehmen.

Helga Kirstein muss dann zwischen 1959 und 1961 die DDR verlassen haben und hat in Marienfelde das Notaufnahmeverfahren durchlaufen. Sie wohnte jedoch nicht im Notaufnahmelager, sondern hatte eine Unterkunft in Reinickendorf.

Dies sind die wichtigsten Informationen zu ihrem Lebenslauf, die sich aus den um 1960 in Marienfelde verbliebenen Dokumenten ergeben. Ihre Geburtsurkunde, ihre Berufsunterlagen sowie private Korrespondenz und einige Erinnerungsfotos sind als Fundstücke in der Verwaltung des Notaufnahmelagers aufbewahrt worden. Da es sich sowohl um berufliche als auch private Dokumente handelt, sind sie vermutlich nicht im Verwaltungsdurchlauf abhanden gekommen, sondern wurden entweder verloren oder gingen durch einen Diebstahl abhanden. Helga Kirsteins Spur hat sich nach ihrer Flucht in den Westen verloren. Die verwahrten Dokumente konnten jedenfalls weder nachgesandt werden noch wurden sie später abgeholt. So verblieben sie ein halbes Jahrhundert im Verwaltungsarchiv, bevor sie nun in den Sammlungsbestand der Erinnerungsstätte übernommen wurden.