Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

Mai 2014

Grundrissplan für die Erweiterung des Notaufnahmelagers Marienfelde,
Mai 1955


Im Bestand der Sammlung befindet sich ein gerahmter Grundrissplan, der die Erweiterung des Notaufnahmelagers Marienfelde im Jahr 1955 zeigt.

Grundrissplan Mai 1955
Das Notaufnahmelager war 1953 in Marienfelde eröffnet worden, um die wachsende Zahl an Flüchtlingen aus der DDR aufnehmen und versorgen zu können. Alle mit der Registrierung, Aufnahme und Weiterleitung befassten Ämter des Bundes und des Landes waren hier konzentriert, um das behördliche Aufnahmeverfahren für die Flüchtlinge zu beschleunigen. Angesichts des anhaltend hohen Flüchtlingsstroms aus der DDR waren die Kapazitäten jedoch bereits ein Jahr nach Eröffnung des Notaufnahmelagers nicht mehr ausreichend. So entschloss sich der Senat, das Lager um weitere Wohneinheiten zu erweitern. Am 16. August 1954 wurde mit dem zweiten Bauabschnitt des Lagers begonnen.
Grundrissplan Mai 1955
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Der Grundrissplan zeigt die beiden Bauabschnitte im Maßstab 1:500. Im Jahr der Eröffnung 1953 bestand das Lager aus einem Eingangshaus, einem Speisesaal mit Küche, einem Kinderhort und 13 Wohngebäuden, die Raum für 1.200 Bewohnerinnen und Bewohner boten. Mit der Erweiterung kamen noch einmal 180 Wohnungen dazu, in denen ca. 2.200 Personen untergebracht werden konnten. Auf dem Plan sind die Erweiterungsgebäude an der Bemaßung, also der maßstabgetreuen Eintragung der für den Bau relevanten Längenangaben, zu erkennen.

Die Bebauung des Notaufnahmelagers unterschied sich maßgeblich von anderen Flüchtlingsunterkünften. Wie auf dem Plan erkennbar, konzipierte man das Flüchtlingslager als Wohnsiedlung mit 1- bis 3-Zimmerwohnungen. Dies geschah in der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung und im Hinblick auf eine anschließende Weiternutzung.

Als nach dem Mauerbau die Zahl der Flüchtlinge drastisch zurückging, übergab der West-Berliner Senat die Wohnblöcke des erweiterten Areals 1962 an die städtische Wohnungsgesellschaft DEGEWO.

Das Objekt lässt die Spuren der Zeit erkennen. Der originale Holzrahmen ist stark abgenutzt und nach 59 Jahren sind Schrift und Zeichenstrich bereits stark verblasst. Das Papier ist deutlich gebräunt, was der minderen Papierqualität in der Nachkriegszeit geschuldet ist. Vor allem Papierdokumente sind stark empfindlich und bedürfen daher der besonders schonenden und lichtgeschützten Lagerung in der Sammlung.