Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
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März 2014

März `89 - Ein Fluchtbericht

März 89 - Ein Fluchtbericht
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Dieses unscheinbare Dokument fasst dramatische Ereignisse im März 1989 zusammen. Es handelt sich um den gemeinsamen Fluchtbericht von fünf DDR-Bürgern, die über Ungarn in den Westen geflohen waren. Auf einer Pressekonferenz in West-Berlin stellten sie die Gründe und Ereignisse ihrer Flucht der Öffentlichkeit vor. Dieser maschinenschriftliche Bericht diente dabei als Vorlage, noch kurzfristig mit handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen versehen.

Bernd und Anette Hornig mit ihrem dreijährigen Sohn sowie Jörg Hornig und ihr Freund Sven Tondasch, alle zwischen 20 und 26 Jahren alt, lebten bis zu ihrer Flucht in Ost-Berlin. Im März 1989 entschlossen sie sich dazu, die DDR unter allen Umständen zu verlassen. Als Gründe geben Sie in diesem Bericht an: „keine berufliche Perspektive, keine Individualität in freier Lebensform, Beinträchtigung der persönlichen Freiheit, die Privilegien für die treuen Genossen.“ Gemeinsam reisten sie als vermeintliche Urlauber über die Tschechoslowakei nach Budapest und suchten zunächst Hilfe in der dortigen Botschaft der Bundesrepublik. Da ihnen dort keine Unterstützung zugesagt werden konnte, entschlossen sie sich dazu, heimlich die Grenze nach Jugoslawien zu passieren. Von dort war eine Weiterreise in den Westen möglich.

Der größte Teil dieses Fluchtberichtes beschreibt, wie sie nachts durch einen Wald im Grenzgebiet zu Jugoslawien liefen und dabei von ungarischen Grenzsoldaten entdeckt wurden. Obwohl diese sie eindeutig als DDR Flüchtlinge erkannt haben mussten, schlugen sie keinen Alarm und setzten ihre Patrouille fort. Damit gaben sie den fünf Flüchtlingen den Weg über die Grenze frei. In Jugoslawien wurden sie zwar zunächst verhaftet und wegen illegalen Grenzübertritts für einen halben Monat inhaftiert, konnten aber anschließend über die westdeutsche Botschaft in Belgrad Reisepapiere nach West-Berlin erhalten.

Dort berichteten sie im Mai 1989 mit diesem Dokument über ihre Flucht von Ost- nach West-Berlin, die über die Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien geführt hatte.