Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

Februar 2014

Lagerordnung

Lagerordnung
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Vor 60 Jahren trat diese Lagerordnung für das zehn Monate zuvor eröffnete Notaufnahmelager Marienfelde in Kraft. Die strikten Anordnungen zeigen einerseits den Zeitgeist der 1950er Jahre, vor allem aber verdeutlichen sie das Bemühen der Leitung, das Zusammenleben zu regeln. Die schwierige individuelle Situation der Flüchtlinge, die drängende Platznot, häufig wechselnde Zimmerbelegung und das aufreibende Verfahren der Notaufnahme erschwerten die Lebensbedingungen in dieser Zwangsgemeinschaft. Hinzu kam, dass das Lager in Marienfelde einen geschlossenen Bereich darstellte und von der Außenwelt abgegrenzt war. Konflikte und menschliche Probleme zwischen den Flüchtlingen untereinander wie auch mit den dort tätigen Landesbehörden und Betreuern gehörten daher zum Alltag. Mit dieser Lagerordnung versuchte man dies soweit wie möglich abzumildern. Gleichzeitig sollten die Gebäude und die Ausstattung im Notaufnahmelager geschont und dauerhaft in Gebrauch bleiben.

Streng genommen dürfte dieses Sammlungsstück nicht in der Reihe „Objekt des Monats“ auftauchen, da ein anderes Exemplar der Lagerordnung als Exponat in unserer Daueraustellung zu sehen ist. Insgesamt hat die Erinnerungsstätte neun dieser Tafeln in ihrem Bestand. Warum aber gibt es gleiche Objekte in einer Sammlung? Dafür gibt es mehrere Gründe.

Zum Einen ist es üblich, dass in Dauerausstellungen die originalen Objekte regelmäßig ausgetauscht werden. Dies gilt vor allem für Fotografien und Papierdokumente, weil die dauernde Beleuchtung langfristig den Exponaten schadet. Durch den Austausch identischer Objekte kann dem entgegengewirkt werden, ohne die inhaltlichen Aussagen der Ausstellung ändern zu müssen.

Zum Anderen sind die Stücke meist in unterschiedlichem Erhaltungszustand vorhanden. Dieses Exemplar etwa hat stärkere Alterungsspuren als das in der Dauerausstellung präsentierte. Vor allem aber zeigt es andere originale Spuren, die von Interesse sind. Die zeitgenössischen Markierungen an bestimmten Regelungen belegen, dass einige als besonders wichtig galten oder eben häufig nicht beachtet wurden. Dies war natürlich auch abhängig davon, wo diese Lagerordnung damals aushing. So können formal gleiche Objekte durchaus unterschiedliche Informationen oder Geschichten beinhalten, die jedes von ihnen zu einem Unikat machen – und diese Lagerordnung mit den speziellen Markierungen zum „Objekt des Monats“.