Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

Dezember 2013

Christbaumkugel (ENM-007047)

Christbaumkugel
Ein Fest der Familie und des geselligen Beisammenseins: So wünschen sich die meisten Menschen Weihnachten. Die Feiertage am Jahresende verbinden sie mit Gefühlen von Zugehörigkeit, Zuhause sein und von Geborgenheit.

Die Christbaumkugel erzählt von solch schönen Momenten, gleichzeitig aber auch von Verlusterfahrungen und den Herausforderungen eines Neubeginns. Bevor sie in die Sammlung der Erinnerungsstätte aufgenommen wurde, schmückte sie jahrzehntelang den Tannenbaum der Familie N. in Niedersachsen. Zwischen Lametta, Glöckchen und anderen Christbaumkugeln hatte sie Jahr für Jahr ein Ehrenplatz inne – seit dem 24. Dezember 1953, dem ersten Weihnachtsfest im Westen nach der Flucht aus der DDR.

Bis zu ihrer Flucht lebten Hans und Christa N. in Zernin in Mecklenburg, wo sie gemeinsam einen Hof bewirtschafteten. Ab 1952 gerieten sie zunehmend unter Druck, da die SED-Führung eigenständig wirtschaftende Landwirte auch gegen ihren Willen zum Beitritt in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften zwingen wollte. Als die Drangsalierungen des Regimes unerträglich wurden, flohen die Eheleute im Februar 1953 mit ihrem zweijährigen Sohn gen Westen.

Die Eltern und die Schwester von Christa N. waren bereits 1951 geflohen. Wieder vereint, feierten sie 1953 gemeinsam Weihnachten – wenige Monate nach der Flucht in noch kärglichen Verhältnissen, aber froh, beisammen zu sein. Die Christbaumkugel war ein Geschenk der Schwester.