Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

Oktober 2013

Ich war SSD-Agentin – Zeitungsausschnitt
(ENM-007343)

Zeitungsausschnitt: Ich war SSD-Agentin
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"Chefdolmetscherin: Ich war SSD-Agentin. Jahrelang arbeitete sie im Flüchtlingslager Marienfelde" so lautet die Schlagzeile einer Zeitung vom 19.10.1963.

Sowohl für die Bewohner als auch für die Mitarbeiter des Notaufnahmelagers war die Tatsache, dass es Spione vor Ort gab, keine Neuigkeit. Das Notaufnahmelager stand bereits seit 1953 als sogenanntes Feindobjekt ganz oben auf der Liste des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Dieser bemühte sich ständig Informanten einzuschleusen und neue Inoffizielle Mitarbeiter zu gewinnen. Die Geheimdienste der West-Alliierten sowie der Bundesnachrichtendienst wussten um die Anwesenheit von Spionen auf dem Gelände und trafen die nötige Vorsorge. Flüchtlinge wurden angewiesen mit niemandem über ihre Flucht oder gar Fluchthelfer zu sprechen und besonders „interessante“ Flüchtlinge wurden an Orten außerhalb des Lagers befragt. Diese Einrichtungen trugen Tarnbezeichnungen und die Örtlichkeiten wurden immer wieder gewechselt.

Diese Maßnahmen erwiesen sich zwar als sehr effizient, eine gänzliche Informationsweitergabe konnte jedoch nicht verhindert werden. Die Chefdolmetscherin der Amerikaner ist nur ein Beispiel.

Welche Informationen genau sie an die Staatssicherheit weitergab, wissen wir nicht. Heute gesicherte Erkenntnisse aus den MfS-Akten zu erlangen ist auf Grund von Datenschutzgründen und Schwärzungen in den Berichten sehr aufwändig und bisher beschwerlich. Aber allein die Tatsache, dass Frau L Chefdolmetscherin der Amerikaner war, lässt vermuten, dass es sich durchaus um brisante Informationen handelte.