Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

September 2013

Lager in der Papestraße
(ENM-003882)

Lager in der Papestraße
Es sind nur noch wenige im Stadtbild vorhanden, viele der Gebäude gibt es nicht mehr. Was noch bis in die 1960er Jahre das West-Berliner Stadtbild prägte, ist heute oft verschwunden und vergessen: die Flüchtlingslager für Flüchtlinge aus der DDR.

Nach der Abriegelung der innerdeutschen Grenze 1952 konzentrierte sich der Flüchtlingsstrom aus der DDR auf West-Berlin, was die Stadt vor große Herausforderungen stellte. Da es in der Stadt zu wenig Wohnraum gab, griffen die zuständigen Behörden auf andere Unterbringungsmöglichkeiten zurück. Alte Fabriken, leer stehende Kasernen, Lagerhallen und Bunker wurden umfunktioniert und als provisorische Notunterkünfte hergerichtet. Dies stellte die dort tätigen Hilfsorganisationen vor große Aufgaben. Die Gebäude mussten umgebaut und eingerichtet werden. Wie das Foto vom Lager in der Papestraße zeigt, konnte trotz größter Bemühungen der eigentliche Charakter der Gebäude nur selten verändert werden. Auf der Aufnahme ist deutlich zu erkennen, dass dieses Lager, wie viele andere auch, den Flüchtlingen keine angenehme Unterkunft bot. Vor 1945 war das Gebäude Teil einer Kaserne und Standort der SA-Feldpolizei.

Unser Objekt des Monats September steht exemplarisch für jene Lager für DDR-Flüchtlinge, von denen vor dem Mauerbau zeitweilig bis zu 80 in Betrieb waren, deren Existenz und Geschichte aber heute kaum noch bekannt ist.