Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

Juni 2013

Geschichtsheft Aufsätze Klasse 8, 1953
(ENM-007420)

Geschichtsheft Aufsätze Klasse 8, 1953
„Das Dorf im Fünfjahresplan“ lautet das Thema, das die Schülerinnen und Schüler einer achten Klasse in Ostberlin am 17. April 1951 als Hausaufgabe zu bearbeiten hatten. Der Schüler H. verfasst einen kurzen Aufsatz über die Vorteile des Planes, der erfüllt werden muss, „um ein besseres Leben für die Zukunft zu sichern.“ Ständige Beratung sei Voraussetzung, um gemeinsam das Plansoll zu erfüllen bzw. überzuerfüllen. Denn nur im Kollektiv sei dies möglich. Der Aufsatz endet mit den Worten, dass „darum auch eine Kollektivwirtschaft angebracht [wäre], denn so würde jeder Bauer dem andern auch helfen müssen.“

Unser Objekt des Monats zeigt, wie Schüler im Sinne des politisch-ideologischen Gedankengutes der DDR erzogen werden. Neben dem Selbstverständnis als antifaschistischer Staat bestimmten Kapitalismuskritik und Klassenkampf die Unterrichtsinhalte, daraus folgt die Legitimation der DDR als „besserer“ deutscher Staat. Bildungsziel ist es, allseitig sozialistische Persönlichkeiten heranzubilden. So stehen die Lehrpläne und die Lehrerausbildung ganz im Zeichen des marxistisch-leninistischen Geschichtsbildes. Ebenso werden die Schulmaterialien diesem Weltbild untergeordnet. Wie das Objekt anschaulich zeigt, sind selbst die Umschläge der Aufgabenhefte auf die propagandistische Legitimation der DDR ausgelegt.

Zwei Jahre nach Verfassen dieses Aufsatzes verlässt der Schüler H. die DDR. Ihm wird als Sohn eines Kaufmannes, der wegen angeblicher „Wirtschaftssabotage“ festgenommen worden ist, das Abitur und sein Berufswunsch Diplomkaufmann verweigert.
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