Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

Mai 2013

Passagierticket der Britisch European Airways (BEA)

Passagierticket der Britisch European Airways (BEA)
Die Flugtickets 608437 und 604838 des BEA-Fluges Nr. 096 tragen innenseitig die Beschriftung „Refugee“, Flüchtling. Für die zwei Passagiere, die am 13. Mai 1954 nach München ausgeflogen wurden, war es eine Reise ihr ein neues Leben.

Menschen, die aus der DDR nach West-Berlin geflohen sind, konnten nicht über Land-oder Wasserwege in das Bundesgebiet ausreisen, da sie dabei Kontrollen der DDR passieren mussten. Der einzige sichere Weg führte über einen der drei Luftkorridore, die von 1945 bis 1990 West-Berlin mit Westdeutschland verbanden. Daher buchten Westberliner Behörden für anerkannte Flüchtlinge frei gebliebene Plätze auf Linienflügen der British European Airways (BEA), der PAN AM oder Air France. Die Fluggesellschaften der Alliierten waren die einzigen, die den Flughafen Tempelhof anfliegen durften.

Die Entscheidung, wo sie zukünftig leben wollen, trafen die Flüchtlinge nicht allein. Nur etwa 10% der 1,35 Millionen Flüchtlinge, die nach dem Notaufnahmeverfahren in Berlin-Marienfelde einen Wohnort zugewiesen bekamen, blieben in West-Berlin. Alle anderen wurden auf das Bundesgebiet verteilt, wobei die Aufnahmequoten der einzelnen Länder je nach Größe, Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft verbindlich festgelegt wurden.

Ob die beiden Passagiere des BEA-Fluges Nr. 096 in München geblieben sind oder sich später an einem anderen Ort eine Existenz aufgebaut haben, wissen wir nicht. Auf jeden Fall war die Stadt in Bayern nach Berlin-Marienfelde eine wichtige Station auf dem Weg in den Westen.