Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

März 2013

Brief eines Vaters an seine Kinder
(ENM-007114)

Brief eines Vaters an seine Kinder
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„Wie schwer es war von [zu] Hause zuflüchten glaubt Ihr mir vielleicht garnicht, und fand ich gar keine andere Möglichkeit“.

Aber warum? Eine Frage, die offen bleiben muss. Denn das Objekt des Monats März steht beispielhaft für einen Bestand in unserer Sammlung, der im ehemaligen Notaufnahmelager zurückgelassene Dokumente und Gegenstände umfasst. Die Lagerverwaltung sammelte die Fundsachen alphabetisch nach Namen sortiert in den Kellern des Notaufnahmelagers – und bewahrte damit zum Teil sehr persönliche Dokumente von DDR-Flüchtlingen für die Nachwelt. So auch diesen undatierten Brief. Über den Verfasser wissen wir wenig. Anhand des Schreibens erfahren wir, dass er seine Familie zurückgelassen hat, alleine geflüchtet ist und auf die Ausreise nach Hamburg wartet. Warum er sich zu diesem Schritt entschlossen hat, inwieweit seine Familie involviert war, ob er nach Hamburg ausgeflogen wurde und wie sein weiterer Lebensweg aussah, all dies bleibt unbeantwortet. Ebenso unklar ist die Vorgeschichte seiner Flucht. Denn auch die neben dem Brief im Konvolut befindlichen weiteren Unterlagen erlauben keine Rückschlüsse auf sein Leben in der DDR.

Sicher wissen wir nur, dass der Verfasser des Briefes als Flüchtling das Notaufnahmeverfahren durch­laufen hat, so wie die anderen Personen, von denen Dokumente als Fundsachen im Notaufnahmelager zurückblieben. In Einzelfällen können anhand der Unterlagen mögliche Fluchtmotive und Lebenswege rekonstruiert werden, doch bleibt vieles Spekulation.

Obwohl dieser besondere Bestand demnach wenig gesicherte Schlüsse zulässt, regen die in ihm überlieferten biografischen Splitter dazu an, mit ein wenig eigener Phantasie über die Lebenswege von DDR-Flüchtlingen im geteilten Deutschland nachzudenken.