Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

Januar 2013

Ingrid E. mit ihrer Mutter am Silvesterabend bei Freunden der Mutter in Potsdam (ENM 003268)

Eisenbart Silvester 1960 (EN003254) Mit dem Jahreswechsel 1960/1961 beginnt ein Jahr, das aus unerfreulichen Gründen in die Geschichte eingegangen ist, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnte. Vielleicht aber wusste Ingrid E. da bereits, dass es für sie ein besonderes Jahr werden würde. Und vielleicht wusste sie sogar, dass es ihr letzter Jahreswechsel in der DDR sein würde….

Kurz vor Kriegsende kam Ingrid E. nach Klötze (Sachsen-Anhalt) zu ihren Großeltern. Nach dem Abzug der Amerikaner und der Einquartierung der Russen wurde Flucht für sie bereits als Kind zu einem alltäglichen Thema. Zum einen durch die zuziehenden Flüchtlinge aus Ostpreußen, zum anderen weil viel Dorfbewohner vor der russischen Besatzungsmacht flohen. Dies änderte sich auch im weiteren Verlauf ihres Lebens nicht. So flüchtete beispielsweise die gesamte Belegschaft der Hautklinik, in der sie als Krankenschwester tätig war. 1960 wechselte sie ins Krankenhaus der Volkspolizei nach Ostberlin und begann ihre eigene Flucht vorzubereiten.

Das Bild zeigt Ingrid E. mir ihrer Mutter am Silvesterabend in Potsdam – das letzte Silvester, das sie in der ehemaligen DDR feierte. Am 8.8.1961 flüchtete sie mit Hilfe ihres Dienstausweises mit der S-Bahn über die Friedrichstraße in den Westen. Ihre Mutter hatte sie bereits einen Tag zuvor in den Westen gebracht. Ingrid E. ist eine von 1,4 Mio. Flüchtlingen, die das Notaufnahmelager Marienfelde durchlaufen. Am 13.August 1961, dem Tag des Mauerbaus, wird Ingrid E. nach Westdeutschland ausgeflogen und geht nach Hildesheim.