Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

August 2012

Telegramm: Zusammenführung der Familie Kolbe

Telegramm


„Ankunft der Kinder 12. 9. 13:42 in Bebra“: Fast zwei Jahre hatte das Ehepaar Kolbe ihre Kinder nicht gesehen. Als sie das Telegramm bekamen, formulierte Maria Kolbe darauf spontan ihre Erleichterung und Freude: „Gott sei Dank!“

Karl und Maria Kolbe versuchten zusammen mit ihren vier Kindern am 26.10. 1973
über die österreichisch-tschechoslowakische Grenze zu fliehen. Als die Grenzsoldaten sie verhafteten, wurden sie kurz darauf von ihren Kindern getrennt. Das Ehepaar wurde in die DDR überstellt, die Kinder kamen in die Obhut von Karl Kolbes Bruder in der DDR.
Nach zwei Jahren Haft, im Mai 1975, kaufte die Bundesregierung das Ehepaar Kolbe frei. Karl und Maria Kolbe durften in die Bundesrepublik ausreisen. Vier Monate mussten sie noch warten, bis es im September 1975 zum lang ersehnten Wiedersehen kam. Das Telegramm des Bruders kündigte die Ankunft der Kinder an.

Das Telegramm ist zusammen mit weiteren Zeitzeugenobjekten in der Sonderausstellung „Freigekauft – Wege aus der DDR-Haft“ zu sehen. Zwischen 1963 und 1989 kaufte die Bundesregierung insgesamt über 33.000 politische Häftlinge aus DDR-Gefängnissen frei. Im Gegenzug erhielt das SED-Regime Warenlieferungen im Wert von über drei Milliarden DM.