Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

April 2018

Bundespräsident in Marienfelde

Bundespräsident in Marienfelde
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Bereits die feierliche Eröffnung des Notaufnahmelagers am 14. April 1953 brachte einen amtierenden westdeutschen Bundespräsidenten nach Marienfelde: Die Teilnahme Theodor Heuss‘ an der offiziellen Eröffnung des Lagers – das noch gar nicht fertiggestellt war und noch Unterkünfte im Rohbauzustand standen – und seine Ansprache sollten auch ein politisches Zeichen setzen, das sich der westdeutsche Staat seiner gesamtdeutschen Verantwortung nicht entzog und den aus der DDR flüchtenden Menschen konkrete Hilfe anbot.

Auch in den kommenden Jahren, in denen jeden Monat Zehntausende Flüchtlinge das Notaufnahmeverfahren in Marienfelde durchliefen und Tausende dort eine erste Unterkunft fanden, blieb das Lager eine Bühne für symbolische Besuche von Regierungsmitgliedern und Spitzenpolitikern. Als Nachfolger von Theodor Heuss besuchte auch Heinrich Lübke Marienfelde, wobei er die nach wie vor große Zahl der Flüchtlinge als moralische und politische Bankrotterklärung der DDR deutete.

Ein Jahr vor dem Mauerfall war es dann der amtierende Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der am 13. Mai 1988 nach Marienfelde kam und sich über die Situation von Aussiedlern und Flüchtlingen informierte. Auf dem Lagergelände vor dem Speisesaal entstand diese private Aufnahme, die ihn mit den begleitenden Fotografen zeigt, kurz bevor er sich mit Bewohnern des Lagers unterhielt. Wenige Tage nach dem Besuch folgte eine Fernsehdiskussion, in der Weizsäcker in der Diskussion mit DDR-Übersiedlern für eine solidarische Politik und gegenseitiges Verständnis zwischen Ost- und Westdeutschen warb.

Genau 60 Jahre nach Heuss war dann schließlich am 14. April 2013 Bundespräsident Joachim Gauck anlässlich des Festaktes zum Jubiläum des Notaufnahmelagers in Marienfelde. Bei seinem Besuch gab es keine deutsch-deutschen Flüchtlinge mehr, aber das Lager erfüllt weiterhin seine Aufgabe, geflohenen Menschen eine erste Unterkunft zu bieten: Gauck ging nicht nur auf die historische Bedeutung des Ortes ein, sondern sprach auch gezielt mit den Flüchtlingen, die heute im vom Internationalen Bund betriebenen Übergangswohnheim in Marienfelde leben. Sie stammen vor allem aus den Kriegsgebieten im Kaukasus, Afghanistan, Irak und Syrien.