Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

September 2017

Spendenpaket im Knabenschlafsaal

Spendenpaket im Knabenschlafsaal
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Das Foto zeigt einen Schlafsaal für Flüchtlingskinder im Lager Volkmarstraße in Berlin-Tempelhof. Im Mittelpunkt ist ein evangelischer Theologiestudent erkennbar, der gerade ein aus Westdeutschland geschicktes Spendenpaket für die Kinder auspackt. Das Bild entstand im Herbst 1957 und sollte die angespannte Lage der Flüchtlinge in den West-Berliner Lagern, aber auch die Arbeit der Wohlfahrtsorganisationen beispielhaft dokumentieren.

Das Flüchtlingslager auf dem ehemaligen Fabrikgelände des Elektrokonzerns C. Lorenz AG am Teltowkanal war im Sommer 1952 eingerichtet worden. Deutsches Rotes Kreuz und Arbeiterwohlfahrt betrieben das Durchgangslager, wo Monat für Monat Tausende von Flüchtlingen aus der DDR und Ost-Berlin eine erste Unterkunft im Westen fanden. In den ehemaligen Fabrikgebäuden herrschte oftmals Überfüllung: Die großen Montagehallen waren nur durch provisorische Pappwände unterteilt, in den sich jeweils bis zu einhundert Menschen den Raum teilen mussten. Eine Privatsphäre oder individuelle Versorgung war unter diesen Umständen unmöglich.

Die Unterbringung im Flüchtlingslager Volkmarstraße war strikt nach Geschlechtern geteilt, so dass auch Familien getrennt wurden. Die Jungen wurden bis zum Alter von 12 Jahren bei ihren Müttern im Frauenschlafsaal untergebracht. Die über 12-Jährigen mussten allein im Männerraum übernachten, auch wenn der Vater fehlte. Um das Problem zu lösen, richtete die Evangelische Flüchtlingsseelsorge im April 1957 diesen separaten Knabenschlafraum für 28 Jungen ein. Zudem sorgte sie für die Ausstattung mit Schlafanzügen und die tägliche Betreuung der Kinder durch Vikare und Theologiestudenten. Diese übernachteten auch bei den Kindern im Schlafsaal.