Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
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Juni 2017

Der 1. (Ost-)Berliner Umwelttag

Der 1. Ost-Berliner Umwelttag
Einladung zum 1. (Ost-)Berliner Umwelttag
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Obwohl die DDR schon 1968 den Umweltschutz in die Verfassung aufnahm, wurde er faktisch zugunsten der staatlichen Planwirtschaft vernachlässigt. Gerade veraltete Kraftwerke und die vermehrte Verwendung von Braunkohle nach der Ölpreiskrise 1973 machten die DDR zu einem der stärksten Luftverschmutzer in Europa. Die Folgen dieser Entwicklungen waren an Industriestandorten und in Städten deutlich spürbar: Die Umweltschäden waren für die Anwohner kaum übersehbar, wurden jedoch nicht öffentlich thematisiert.

Deswegen gründeten sich in den 1970er Jahren viele Gruppen zum Umweltschutz. Gleichzeitig wurde die Umwelt zu einem wichtigen Thema der Opposition in der DDR. Die Bewegung richtete sich in regionalen Protesten gegen Schwerpunkte der DDR-Industrie, beispielsweise Uranabbau, Landwirtschaft und Chemiebetriebe. In diesem Zusammenhang war das staatseigene Unternehmen „Wismut“ relevant, das in Thüringen und Sachsen Uranerz förderte und die Abfälle aus der Produktion ungereinigt in Gruben entsorgte. Erst im Juni 2017 wurde die Zwischenabdeckung für die radioaktiven und arsenhaltigen Schlämme nach 25 Jahren fertiggestellt.

Die erste autonome Umweltgruppe gründete sich 1979 in Folge von Baumpflanzaktionen kirchlicher Jugendkreise in Schwerin. Von Beginn an war die Kirche, wie auch in dieser Einladung zum 1. Berliner Umwelttag durch die Treptower Bekenntnisgemeinde, eng mit der Umweltschutzbewegung in der DDR verbunden. In der Bekenntnisgemeinde in Treptow trafen sich ab den 1980er Jahren politisch bedrängte Menschen, die sich hier in Friedens- und anderen Arbeitskreisen unabhängig vom Staat organisierten. Diese standen daher meist unter Beobachtung der Stasi. Der Einladung zum 1. Berliner Umwelttag, zumindest dem ersten, der in Ost-Berlin stattfand, folgten etwa 700 Teilnehmer aus Berlin, der DDR und dem Ausland. In West-Berlin fand seit 1972 jährlich die Fahrradsternfahrt am Umwelttag statt, welche auch heute noch auf unterschiedlichen Routen zum Großen Stern führt. Erst mit der Einladung zum Thema "Stadt - Bau - Ökologie" beteiligte sich die Umweltbewegung in Ost-Berlin an diesem Aktionstag mit einem breiten Informationsprogramm für Erwachsene und Kinder.