Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

März 2017

„Gestatten, mein Name ist…“

Gestatten, mein Name ist…
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Bimbo. Naja, Bimbo ist kein Name, den man heute noch benutzen würde, aber damals war das ein beliebter Name für exotische Wesen. Ihr wisst schon, jeder bekommt halt seinen Namen. Ich jedenfalls bin Bimbo. Weil ich nämlich ein Affe bin und diesen Namen vor sechzig Jahren bekommen habe. Ich bin ein ganz kleiner Affe. Und weil ich aus Plüsch bin, wachse ich auch nicht. Ich bin noch immer so groß wie damals vor über sechzig Jahren.

Da lebte ich in Berlin in der Baracke auf dem Fabrikhof der Wachmannstraße. Das war die Kirchenbaracke in einem Flüchtlingslager für die Menschen aus dem anderen Teil Deutschlands. Und das Schönste war da immer die Kinderstunde. Da habe ich mit den vielen Kindern von den Flüchtlingen Spaß gehabt.

Zuerst habe ich einer Diakonisse gehört. Aber dann kam so ein dünner Vikar. Den hat die Schwester gefragt: „Kannst du Puppen spielen?“ Da hat er gesagt: „Das kann ich.“ Da hat sie mich genommen und hat gesagt: „Da, nimm den Affen mal.“ Und der Vikar hat seine Hand in mich gesteckt und einen Finger in den Kopf und den Daumen und den kleinen Finger in die Arme. Da war ich lebendig und habe die Kinder gefragt: „Ratet mal, wie ich heiße.“ Da haben sie geraten und meinen Namen herausgefunden. Und ich habe gesagt: „Wir spielen jetzt verstecken. Ich verstecke mich und ihr müsst mich rufen.“ Da haben sie alle gerufen „Bimbo!“ Aber ich habe sie nicht gehört. Da hat der dünne Vikar gesagt: „Ihr ruft nicht laut genug.… Noch lauter.“ Da haben sie so laut gerufen, dass die Baracke gewackelt hat. Und so sind wir Freunde geworden.

Und bei dem Vikar bin ich dann mein ganzes Leben lang geblieben. Nun bin ich aber zurückgekommen nach Berlin, wo es wieder viele Flüchtlinge gibt. Nur spielen werde ich nicht mehr, sondern meine Geschichte über das Leben im Flüchtlingslager damals berichten. Das Spielen mit den Kindern müssen jetzt meine jüngeren Kollegen übernehmen, und ich hoffe, sie machen das so gut wie ich damals.

Schenkung von Ehrhardt Wichmann, als Vikar in der Flüchtlingsseelsorge, Berlin 1960/61