Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

September 2016

Versteckte Botschaften aus vergangenen Zeiten
Versteckte Botschaften aus vergangenen Zeiten
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Die Historikerin Silke Kamp staunte nicht schlecht, als sie sich im November 2015 an die Renovierungs- arbeiten in ihrer neuen Wohnung in der Beyrodtstraße machte: Unter den Tapetenschichten ihrer Vormieterin fand sie zahlreiche handgeschriebene Botschaften an den Wänden aus der Zeit, als die Wohnung noch zum Notaufnahmelager Marienfelde gehörte. Diese Häuser waren 1955 aufgrund des anhaltend großen Flüchtlingsstroms aus der DDR errichtet worden. Mit diesem zweiten Bauabschnitt des Lagers wurde die Kapazität mehr als verdoppelt, nun konnten 2.800 Personen hier Unterkunft finden.

Durch den Mauerbau 1961 kam der Flüchtlingsstrom aus der DDR zum Erliegen. Angesichts des massiv gesunkenen Bedarfs an Flüchtlingsunterkünften übergab der Berliner Senat im Juni 1962 die Hälfte der Wohnblöcke an die städtische Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO. Im selben Jahr bezog Kamps Vormieterin die ehemalige Wohnung für DDR-Flüchtlinge und tapezierte die Botschaften über. Weit über 50 Jahre später sind die Grüße an alle Dresdener, Pritzwalker oder Leipziger für einen Moment auf der grünen Ölfarbe lesbar geworden. Mittlerweile sind sie wieder unter einem neuen Anstrich verschwunden. Nur diese Bildaufnahmen dokumentieren die Botschaften aus einer vergangenen Zeit.