Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

August 2016

Untermieter: US-amerikanische Besatzungsmacht
Untermieter
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In diesen Tagen gedenken wir des Mauerbaus vor 55 Jahren. Die Berliner Mauer war Ausdruck und Symbol der Systemkonkurrenz zweier sich global und diametral gegenüberstehender Blöcke, deren Wettrüsten bereits mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann und sich fast ein halbes Jahrhundert fortsetzte. Der Checkpoint Charlie - neben Alpha und Bravo der dritte von der US-amerikanischen Besatzungsmacht eingerichtete Kontrollpunkt - war einer der wichtigsten Schauplätze der deutsch-deutschen Teilungsgeschichte im Kalten Krieg. Hier standen sich am 27. Oktober 1961 amerikanische und sowjetische Panzer scheinbar gefechtsbereit, nur durch eine weiße Linie auf dem Asphalt getrennt, gegenüber und rangen um die Frage der westalliierten Rechte über und in Berlin. An dieser, mitten im historischen Zentrum Berlins gelegenen Grenze flohen auch immer wieder Menschen aus Ost-Berlin. So ist u.a. der tragische Tod des DDR-Flüchtlings Peter Fechter am 17. August 1962 untrennbar mit diesem Ort verbunden. Gerade an diesem neuralgischen Punkt der direkten Konfrontation setzten daher beide Blöcke auf nachrichtendienstliche Mittel wie Spionage, verdeckte Operationen und gezielte Desinformation; auch Propaganda und Provokationen gehörten zu dieser stetigen Auseinandersetzung.

Diese Fotografien zeigen den Erker einer Privatwohnung am Checkpoint Charlie, welchen die US-amerikanische Besatzungsmacht kurz nach Inbetriebnahme des Checkpoints nach dem Mauerbau zur Spionage in Richtung der Ost-Berliner Seite nutzte. Sie "mieteten" ihn von Familie Noster, die direkt unter der Wohnung einen Elektroladen betrieb. Die ehemalige Nachbarin Monika Scheffe (geb. Walper) schenkte diese Bilder der Erinnerungsstätte. Das Haus befand sich in der Zimmerstraße/Ecke Friedrichstraße und beherbergte in der unteren Etage die Traditionsapotheke "Zum weißen Adler"; heute befindet sich dort das "Café Einstein". Die darüber gelegenen Räumlichkeiten boten großen Wohnraum; so eben auch die fünf Zimmer der Walperns, die zudem das Familiengeschäft mit zugehöriger Werkstatt beherbergten. Lediglich ein 40 cm breiter Bürgersteig vor der Haustür gehörte noch zum Westteil der Stadt und diente für die BewohnerInnen zum Erreichen der Friedrichstraße; alles dahinter war schon Ost-Berlin.

Der Erker der Nachbarn, hier stets links im Bild und direkt an der Hauskante gelegen, bot einen hervorragenden Blick über die Berliner Mauer auf die Ost-Seite der Stadt. Von hier ließen sich unbemerkt Fotos des Grenzregimes und der Vorgänge am "Grenzübergang Friedrich- /Zimmerstraße" anfertigen, welcher die Grenzübertritte von alliierten Militär- und Botschaftsangehörigen, AusländerInnen und MitarbeiterInen der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR sowie von DDR-Funktionären verzeichnete.