Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

Mai 2016

Konfirmation im Flüchtlingslager

Konfirmation im Flüchtlingslager
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Nach der Abriegelung der innerdeutschen Grenze im Mai 1952 wuchs die Zahl der DDR-Flüchtlinge in West-Berlin drastisch an, da nun nur noch der Grenzübertritt vom Ostteil der Stadt in den Westen relativ gefahrlos möglich war. Daher mussten binnen kürzester Zeit ungenutzte Gebäude, leerstehende Fabrikhallen, alte Kasernen und alle Arten von Hallen als Notunterkünfte genutzt werden.

Ging es zunächst nur um die Grundversorgung, eine Unterkunft und die Anerkennung als Flüchtling, so stellte sich im alltäglichen Lagerleben bald auch die Notwendigkeit eines aktiven sozialen Lebens heraus, vor allem für Familien und alle diejenigen, die längere Zeiten in den Lagern bleiben mussten. Daher fanden auch Konfirmationen in den zahlreichen, über ganz West-Berlin verteilten Notunterkünften statt. Diese Fotografie vom Mai 1957 zeigt einen Zug von Konfirmanden, der von einem Gast-Pfarrer aus Bayern zum Gottesdienst geleitet wird. Die Aufnahme ist im DRK-Lager in der Gradestraße in Neukölln entstanden. Sie zeigt die schwierigen Lebensbedingungen in den Notunterkünften in Berlin, wo die Wohnungsnot durch Kriegszerstörungen und politische Teilung eines der größten Probleme darstellte. Das Lager Gradestraße war eine ehemalige chemische Fabrikanlage, in der 1.200 Plätze für die aus der DDR geflohenen Menschen eingerichtet waren.

In den vom Senat als auch von kirchlichen und sozialen Trägern betriebenen Flüchtlingslagern erhielten jedes Jahr mehrere Hundert Jugendliche ihre Konfirmation durch die Evangelische Flüchtlingsseelsorge, aus deren Fotoarchiv auch dieses und die übrigen Bilder der Galerie stammen. Die von westdeutschen Kirchengemeinden abgestellten Pfarrer und Vikare waren jeweils für drei bis sechs Monate in den Berliner Flüchtlingslagern aktiv. In dieser Amtszeit waren sie berechtigt, dort offizielle Amtshandlungen wie Eheschließungen, Taufen und eben auch Konfirmationen durchzuführen.