Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
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Mai 2015

Telefonanschlüsse und was sie verraten

Amtsstellenliste
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Die Auflistung vom Sommer 1958 dokumentiert die im Notaufnahmelager Marienfelde benutzten Telefonanschlüsse. Handschriftlich wurden damals die einzelnen Anschlüsse erfasst und an die Post gemeldet, die damals noch für das Telefonnetz verantwortlich war. Bei dieser Aufstellung wurden die Telefonanschlüsse für die Monate Mai bis September notiert, deren Anzahl zwischen 345 und 348 nur leicht variierte.

Die monatlichen Einträge zeigen jeweils die drei wichtigsten Arten von Einrichtungen, die im Notaufnahmelager tätig waren. Dies sind erstens die Berliner Landesbehörden ("Senat"), dann die Dienststellen der drei Siegermächte USA, Großbritannien und Frankreich ("Alliierte") sowie drittens die Einrichtungen des Bundes und anderer nicht-staatlicher Organisationen ("Bund / Org."). Interessant ist auch die Aufteilung der Anschlüsse nach Berechtigungen: So war nur etwa die Hälfte "vollamtsbe- rechtigt", nur von dort konnte man durch Anwählen der Null auch Telefonate nach außerhalb des Lagers führen. Über 90 Diensttelefone hatten nur eine "halbe Amtsberechtigung" und waren zwar von außen erreichbar, durften aber nicht eigenständig externe Nummern wählen. Die 79 "nichtamtsberechtigten" Apparate waren nur innerhalb des Notaufnahmelagers nutzbar und hatten keinerlei Verbindung in das Ortsnetz.

In diesen Jahren hatte das Lager Marienfelde seinen Höchststand an Telefonanschlüssen. Der Mauerbau und der daraufhin starke Rückgang von Flüchtlingszahlen machten sich auch in der Kommunikationsstruktur der Notaufnahmeverwaltung bemerkbar. Im Januar 1962 waren insgesamt nur noch 276 Telefonanschlüsse vorhanden, und 1967 hatte sich die Zahl auf 110 Anschlüsse verringert.