Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
© DHM-Schirner

März 2015

Ansichtspostkarte

Ansichtspostkarte
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Das Notaufnahmelager Marienfelde ist nur in wenigen historischen Aufnahmen präsent. Zum Einen galt ein striktes Fotografierverbot zum Schutz der Flüchtlinge und der Mitarbeiter vor Ort. Zum Anderen waren durch die Dienststellen der Alliierten in Marienfelde auch die Belange der Siegermächte in Berlin betroffen, die ebenfalls die Bilddarstellungen einschränkten.

Um so erstaunlicher war es, dass wir vor kurzem bei eigenen Recherchen auf eine ungelaufene Ansichtskarte vom Notaufnahmelager stießen und diese für die Sammlung erwerben konnten. Vom Typus ist sie als eine typische Bildpostkarte der 1950er Jahre einzuordnen: Im Gegensatz zu heutigen Ansichtskarten handelt es sich um eine so genannte Echtphoto-Postkarte, also einen direkten Fotoabzug auf Postkartenkarton. Dementsprechend gut ist die Bildqualität, auch der Büttenrand verweist auf die Nähe zu reinen Fotoabzügen.

Als Motiv ist das neu erbaute Notaufnahmelager an der Marienfelder Allee mit Blick von Nordost zu sehen. Links sind mehrere Wohnblöcke zur Aufnahme der Flüchtlingsfamilien erkennbar, rechts der Verwaltungstrakt mit den Arbeitsräumen für das Notaufnahmeverfahren. Die hinter dem Eingangsbereich sichtbaren Wohnungsblöcke in der Mitte lassen die Größe des gesamten Lagergeländes erahnen. Aufgrund der neu angelegten Beete im Vordergrund, der noch fehlenden Beschriftung „Notaufnahmelager“ am Pavillondach und des noch ungenutzten Zustandes ist das Bild auf die Zeit der gerade erfolgten Vollendung des Baues bzw. kurz vor der unmittelbaren Inbetriebnahme im Sommer 1953 zu datieren. Die komplette Abwesenheit von Flüchtlingen oder anderen Personen betont den Aspekt des frischen Neubaus. Wie bei vielen anderen Postkarten dieser Zeit stehen moderne Neubauten für den Aufbruchcharakter der Zeit und als Symbol für die Überwindung der - gerade in Berlin durch große Wohnungsnot geprägten – unmittelbaren Nachkriegszeit.