Foto. Grundsteinlegung für das Notaufnahmelager Marienfeld am 30. Juli 1952: Der Senator für Sozialwesen Otto Bach beim Einlegen der Urkunde.
© Landesarchiv Berlin

Wohnsiedlung

Wohnsiedlung Notaufnahmelager Marienfelde

Am 30. Juli 1952 wurde der Grundstein für das Notaufnahmelager in Berlin-Marienfelde gelegt. Beim Bau des Notaufnahmelagers orientierte man sich an den Standards des sozialen Wohnungsbaus und schuf eine Anlage, die sich deutlich von der damals üblichen Flüchtlingsunterbringung unterschied. Statt notdürftig hergerichteter Massenunterkünfte gab es in Marienfelde kleine, abgeschlossene Wohneinheiten mit Küche und Bad, Gemeinschaftsräume und Grünflächen.

Im Jahr der Eröffnung 1953 bestand das Lager aus einem Eingangshaus, einem Speisesaal mit Küche, einem Kinderhort und 13 Wohngebäuden mit Raum für 1.200 Menschen. Die dreigeschossigen Wohngebäude beherbergten 220 2 ½-Zimmerwohnungen von 50 m², 48 1-Zimmerwohnungen und 12 3-Zimmerwohnungen. Mit Fertigstellung weiterer zwölf Gebäude 1955 konnten insgesamt 2.800 Menschen aufgenommen werden.

Ursprünglich war pro Flüchtling ein Raumbedarf von vier Quadratmetern vorgesehen. Die Rechnung ging jedoch nicht auf: Bis zum Mauerbau 1961 herrschte in den Unterkünften drangvolle Enge. Zeitweise standen selbst in den Küchen Doppelstockbetten, und in den Bädern, die zu klein waren für die Anzahl der Bewohner, wurde als Sparmaßnahme manchmal das Wasser abgestellt. So musste auf das gemeinschaftliche Badehaus ausgewichen werden.

Ein für Anfang der 1960er Jahre geplanter dritter Bauabschnitt wurde nie realisiert, da durch den Mauerbau 1961 der Flüchtlingsstrom aus der DDR zum Erliegen kam. Angesichts des massiv gesunkenen Bedarfs an Flüchtlingsunterkünften übergab der Berliner Senat im Juni 1962 die Hälfte der Wohnblocks an die städtische Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO. Marienfelde bot anschließend noch Platz für etwa 600 Menschen. Die Wohnsituation in Marienfelde normalisierte sich. Wohnungen und Ausstattung wurden im Laufe der Jahre modernisiert; die bis dahin üblichen Doppelstockbetten wurden entfernt und stattdessen Zweibett-Zimmer eingerichtet.

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