Foto. Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung 'Flüchtlingskinder malen' am 29. August 1953
© Landesarchiv Berlin - Willy Kiel

"Ich war nie einer von euch!" Der Künstler Rainer Bonar zwischen Ost und West.

Portrait Rainer Bonar
„Ich war nie einer von Euch!“ hielt der Maler, Grafiker und Fotograf Rainer Bonar 1989 den Mitgliedern des Künstlerverbands der DDR entgegen – ein Satz, der paradigmatisch für sein Leben und Schaffen steht. 1956 in Ost-Berlin als Rainer Lietzke geboren, musste er früh erkennen, dass ein künstlerisches Fortkommen in der DDR für ihn nicht möglich war. Die restriktive Kulturpolitik der SED und das Diktat des „Sozialistischen Realismus“ ließen keinen Raum für moderne Ausdrucksformen und Gesellschaftskritik.

Ikarus - Gemeälde von Rainer Bonar

Nachdem er sich in einem Triptychon „Schießbefehl“ explizit der Toten an der innerdeutschen Grenze angenommen hatte, erlebte er 1973 seine erste Verhaftung. Nicht zum Studium der Malerei zugelassen und 1976 wegen „politisch-ideologischer Diversion“ aus der Nationalen Volksarmee geworfen, kämpfte er um eine Ausreisegenehmigung. 1981 erfolgte die Übersiedlung nach West-Berlin.

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde präsentiert erstmals eine größere Auswahl an Werken dieses Unangepassten. Vorgestellt werden drei Themenkomplexe, die für Bonars Werk prägend waren: 1. Wie viele seiner Künstlerkollegen empfand auch er das Motiv des frei und hoch zur Sonne strebenden, dann tödlich stürzenden Ikarus als geeigneten, vielschichtigen Kommentar zur Zeit.

Gemälde von Rainer Bonar

Immer wieder hat Bonar das Ikarus-Motiv aufgegriffen und mit seiner künstlerischen Entwicklung hin zu einer abstrakten, piktogrammartigen Formensprache verbunden. 2. Daneben faszinierten ihn Figuren der griechischen Mythologie wie Thanatos, Kratos und Bia, die die dunklen Seiten des Daseins, Tod, Macht und Gewalt verkörpern. 3. Bereits im Osten wie auch in West-Berlin beschäftigte Bonar sich intensiv mit der Stadt. Für seine topographisch-ästhetischen Erkundungen nutzte er neben der Malerei die Mittel der Grafik, der Fotografie und des Films. Dabei sind es vor allem die gesellschaftlichen Grenz- und Randlagen, die ihn interessierten. Die Ausstellung in der Erinnerungsstätte bietet neben den Werken Einblicke in die Biografie Bonars sowie Stimmen von Freunden und Wegbegleitern, die es ermöglichen, diesen ungewöhnlichen, bisher weithin unbekannten Künstler zwischen Ost und West näher kennen zu lernen.


Fotos:© Wanda Schulte